Das Kanu-Slalom-Team Deutschland im Goldrausch

Es war eine Kanu-Slalom WM der Superlative. 300 Athletinnen und Athleten aus 51 Nationen, 33.000 Zuschauer (für den Samstag gab es keine Tickets mehr 🤯), 560 Volunteers und 30 Rahmenprogrammpunkte. Der bayrische Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, war begeisterter Zuschauer und empfand die Kanu-Slalom WM 2022 in Augsburg als „Eine mehr als gelungene Veranstaltung!“ Mit 5 x Gold, 1x Silber und 3x Bronze im Kajak und Canadier haben auch die deutschen Athletinnen und Athleten einen ganz erheblichen Teil dazu beigetragen.

Ricarda Funk begeisterte das heimische Publikum mit der Verteidigung ihres Weltmeistertitels

Ricarda Funk fokussiert auf die Verteidigung ihres WM-Titels. (Quelle: Philipp Reichenbach)

Selbst vor ausverkaufter Kulisse zeigte Ricarda Funk keine Anzeichen von Druck, als sie die bis dato schnellste Zeit der australischen Konkurrentin Jessica Fox unter den Augen des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach auf der Strecke jagte, auf der der Kanuslalom vor 50 Jahren sein olympisches Debüt gab.

„Es ist einfach unglaublich, der Druck war groß, die Vorbereitung war schwierig für mich, und jetzt, wo ich so einen guten Lauf hinlegen konnte, bin ich einfach nur glücklich“, sagte Funk nach dem Finallauf. „Natürlich war es schwer, wenn man als amtierende Weltmeisterin an der Startlinie steht, spürt man den Druck, und dann diese unglaubliche Menge. Aber sie haben mir einfach geholfen. Letztes Jahr war etwas ganz Besonderes (Funk holte in 2021 olympisches Gold und siegte ebenfalls bei der Kanu-Slalom WM), es war mein Traum, aber dieses Jahr ist auch etwas ganz Besonderes. Vor der Familie und den Freunden zu gewinnen, ist einfach das Größte, was ich mir vorstellen kann. Ich glaube an mich und weiß, wozu ich fähig bin, aber ich weiß auch, was die anderen Mädels drauf haben, deshalb bin ich so froh, dass es heute geklappt hat.

Elena Lilik, kam auf den dritten Platz, da eine Zwei-Sekunden-Strafe für eine Torberührung sie vom Silbermedaillenplatz fernhielt.

Andrea Herzog sorgt für Hochstimmung am Eiskanal mit einer weiteren Goldmedaille

Andrea Herzog wurde 2019 Weltmeisterin, holte in Tokio Olympia-Bronze, stand aber seither nicht mehr auf dem Podium, bevor sie am Sonntag die olympische Goldmedaillengewinnerin Jessica Fox und die Silbermedaillengewinnerin Mallory Franklin verdrängte.

Herzog wusste, dass sie ihre Form umdrehen könne und schließlich sogar mit einer Zwei-Sekunden-Strafe gewinnen würde. „Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes, aber ich denke, jede Medaille ist etwas Besonderes, egal ob es die Weltmeisterschaften in La Seu oder die Olympischen Spiele in Tokio sind“, sagte die Leipzigerin. „Aber vor diesem Heimpublikum ist es noch spezieller. Ich habe einfach versucht, ruhig zu bleiben, denn meine ersten beiden Tore waren nicht so gut. Ich war mir trotzdem sicher, dass ich es ins Finale schaffen und eine Medaille gewinnen könnte, denn ich fühlte mich hier ziemlich sicher.“ so Herzog weiter.

Fox holte sich ihre zweite Silbermedaille, während die Weltmeisterin von 2017, Mallory Franklin aus Großbritannien, Dritte wurde.

Sideris Tasiadis holt sein erstes WM-Einzelgold

Goldjubel bei Siders Tasiadis (Quelle: Thomas Lohnes)

Tasiadis brüllte vor Freude und pumpte in die Luft, als er merkte, dass die Goldmedaille ihm gehörte, und sah zu, wie sein deutscher Teamkollege Franz Anton mit dem letzten Lauf des Tages den dritten Platz belegte. Sein Weltmeistertitel liegt nun neben den olympischen Silber- und Bronzemedaillen.

„Das Gefühl ist so unglaublich, der Druck war hoch, aber ich habe es vor dem Start gut gemeistert“, sagte Tasiadis. „Ich liebe es, wenn so viel Druck auf mir lastet, denn dann kann ich meine Linie besser umsetzen. Erst die olympischen Medaillen und dann diese WM-Medaille jetzt. Das ist ein Traum, der wahr wird. Es ist unglaublich, dieses Gold zu haben. Das ist wie eine neue Geschichte, nach 50 Jahren, in denen es die Olympischen Spiele hier gab.“ so der Augsburger nach seinem Finallauf.

Ricarda Funk, Elena Lilik und Jasmin Schornberg holen Gold im Teamwettbewerb der Kajak-Frauen

„Power Mama“ und Kanu-Slalom-Weltmeisterin Jasmin Schornberg. (Quelle: Thomas Lohnes)

Es ist bereits das dritte Mannschaftsgold für Jasmin Schornberg, die auch 2017 und 2007 Teil des Teams war.

„Für mich als Mutter ist es etwas ganz Besonderes, wieder auf dem Podium zu stehen. Ich hätte nie erwartet, dass ich mit einer Medaille zurückkomme. Ich war ziemlich überrascht, dass ich wieder im Team bin, und ich wollte einfach Schritt für Schritt besser werden. Ich hatte wirklich ein bisschen Angst, dass ich zu langsam für die anderen beiden sein könnte, aber ich habe es nicht allzu schlecht hinbekommen.“ sagte Jasmin Schornberg

Erstes Teamgold seit 2011 für die Kajak-Herren

Hannes Aigner, Noah Hegge und Stefan Hengst holen Gold im Teamwettbewerb der Kajak-Herren. Es ist das erste Gold seit 2011 in diesem Wettbewerb.

Hannes Aigner gehörte bereits 2011 zum siegreichen Team. „Es hat mehr als 11 Jahre gedauert, bis ich wieder eine Goldmedaille bei einer WM in den Händen halte, es ist also schon eine Weile her“, sagte Aigner. „Mir macht der Sport immer noch sehr viel Spaß, deshalb mache ich das immer noch. Es ist toll, zu Hause zu starten und eine Goldmedaille vor heimischer Kulisse zu gewinnen.“

Mit 5 x Gold, 1x Silber und 3x Bronze siegten die deutschen Kanuten auch in der Nationenwertung. Herzlichen Glückwunsch zu diesen außergewöhnlichen Leistungen. Chapeau!

Hannes Wagner

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