Der Kanadier – Ein Grundkurs für Einsteiger

Ein Kanadier, auch Canadier geschrieben, ist ein Kanu, welches meist nach oben offen ist und mit einem Stechpaddel angetrieben wird. Der Paddler sitzt oder kniet in Fahrtrichtung. Der Kanadier wird oft irrtümlich als Kanu bezeichnet. Kanu ist jedoch der Oberbegriff von Paddelbooten, zu denen hauptsächlich Kajaks und eben Kanadier zählen. Der Paddler wird auch Kanadier oder Kanadier Fahrer genannt. In diesem Grundkurs für Einsteiger erfährst du alles, was du über den Kanadier wissen musst. Hier geht es nicht um den Einwohner in Kanada.

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Der Kanadier und sein Ursprung

Seinen Ursprung hat das Kanu von den Indianern in Nordamerika. Diese haben das Boot zum Transport, zur Jagd und zum Fischfang eingesetzt. Die Vorläufer der heutigen Kanadier konnten große Lasten aufnehmen und unterstützten die nomadische Lebensweise der Indianer. Zunächst wurden die „Indianer Kanus“ aus Birkenrinde genäht. Die Paddelboote waren bis zu 10 m lang und ermöglichten durch ihr geringes Gewicht einen „einfachen“ Überlandtransport.

Welche Kanadier gibt es?

Es gibt aufblasbare Kanus, Tourenboote, Faltboote 1er- oder 2er. Für jedes Einsatzgebiet gibt es auch einen geeigneten Kanadier. Egal ob es sich dabei um einen ruhigen See, wilden Fluss oder doch die raue See handelt. Welche Kanadier es gibt, siehst du hier:

  • Ein roter Kanadier von Gatz.
  • Ein Renn-Kanadier von Plastex.
  • Der Gatz Cherokee, ein Touren Kanadier.
  • Ein Mannschafts Kanadier mit Platz für bis zu 10 Paddler
  • Ein Kanadier als Faltboot.
  • Ein aufblasbarer Kanadier von Grabner.
  • Franz Anton in einen Kanu-Slalom Kanadier.

Die Rumpfform von Kanadiern

Die meisten Kanadier sind nach oben hin offen. Ausnahmen machen hier lediglich die eingesetzten Boote im Wildwasserrennsport oder im Kanu-Slalom. Kanadier unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre Rumpfform. Um die Unterschiede zu verstehen ist es wichtig, dass du die Teile eines Kanadiers kennst.

Ein Kanadier und seine Teile.
Die Teile eines Kanadiers.
  1. Heck
  2. Bug
  3. Rumpf
  4. Sitz
  5. Süllrand

Bodenform des Kanadier

Der Reibungswiderstand des Rumpfes beeinflusst, wie schnell du mit deinem Kanu vorwärtskommst. Den geringsten Widerstand hat ein runder Boden. Diese Kanus sind dafür aber sehr kippelig. Die Art von Bodenform findest du im Kanu-Rennsport. Ein flacher Boden hat den größten Widerstand. Diese Boote sind sehr langsam. Dafür können sie aber mehr Nutzlast aufnehmen und sind sehr wendig. Dementsprechend haben die Kanus mit rundem Boden auch einen weniger guten Geradeauslauf. Der Kompromiss dieser zwei Extreme sind eine flache Bodenkrümmung. Der Geradeauslauf ist gut und die Stabilität ist hoch. Die meisten Kanadier haben einen flachen V-Boden. Diese Boote sind ebenfalls recht stabil und haben einen besseren Geradeauslauf.

Kielkontur des Kanadiers

Die Kielkontur ist die Längslinie des Bootbodens und verbindet den Bug mit dem Heck des Kanus. Die Form der Kielkontur hat Einfluss auf die Spurtreue sowie auf die Manövrierfähigkeit. „Indianer Kanus“ mit einer geraden Kielkontur sind sehr Spurtreu und haben dementsprechend einen guten Geradeauslauf, lassen sich allerdings verhältnismäßig schwer wenden. Eine extrem von der Bootsmitte zum Heck bzw. zum Bug ansteigende Kielkontur macht das Kanu langsam. Das liegt daran, dass die Wasserlinie kürzer wird und die Last von der Bootsmitte getragen werden muss. Die Bootsmitte sinkt dementsprechend tiefer ins Wasser ein, was wiederum zu einem stärkeren Widerstand im Wasser führt. Boote mit einer extrem ansteigenden Kielkontur lassen sich einfacher wenden.

Der Steven eines Kanadiers

Das vordere Ende eines Bootes wird als Bug bezeichnet. Das hintere Ende als Heck. Beide Bootsenden werden auch Steven genannt. Der Steven prägt das Erscheinungsbild des Kanadiers und hat Einfluss auf die Fahreigenschaften. Die traditionellen Kanus haben häufig einen stark einfallenden Steven. Diese sind windanfällig. Ein steiler Steven fällt direkt zur Wasserlinie ab, wodurch das Boot sein Gewicht besser auf dem Wasser verteilen kann und die effektive Wasserlinie des Kanus verlängert wird. Dadurch haben Kanadier mit einem steilen Steven eine bessere Spurtreue.

Ein Blick von oben auf den Steven verrät, ob das Kanu spitz oder breit geschnitten ist. Kanus mit einem spitzen Steven erreichen höhere Geschwindigkeiten. Diese können das Wasser einfacher schneiden und müssen weniger von dem kühlen Nass verdrängen. Ein schmales Vorschiff hat aber auch Nachteile: Die Zuladungsmöglichkeiten sind stark beschränkt. Kanadier mit einem breiteren Vorschiff können sowohl an Bug und Heck noch zahlreiches Gepäck verstauen. Dafür sind sie eben langsamer.

Renncanadier mit einem schmalen Vorschiff vs. Faltkanadier mit breiten Vorschiff.

Material von Kanadiern

Kanus werden heutzutage aus verschiedensten Materialien gefertigt. Von GFK über Holz zu Kautschuk ist alles dabei.

Festrumpfkanadier aus GFK, PE oder ABS

Die meisten Kanadier haben einen festen Rumpf. Dieser kann aus den verschiedensten Materialien bestehen. Am gängigsten sind hier: Polyethylen (PE), Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere (ABS), Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), Kohlenstoffverstärken Kunststoff (CFK), Aramidfaserverstärktem Kunststoff oder Holz. Kanadier mit einem festen Rumpf sind sehr langlebig und haben ganz hervorragende Fahreigenschaften. Zudem benötigen sie weniger Pflege im Vergleicht zu Faltbooten oder aufblasbaren Kanus. Hier hast du eine Übersicht von Kanadiern mit einem festen Rumpf.

Die großen Nachteile von Kanadiern mit einem festen Rumpf sind der Transport sowie die Lagerung. Exemplare im unteren Preissegment können gut bis zu 40 kg wiegen, da wird jede Beförderung zur Krafttrainingseinheit. Die Boote sind nicht gerade klein, sodass nur ein Liegeplatz oder eine eigene Garage hilft.

Faltkanadier gefertigt mit amerikanischer Weißesche

Faltkanadier sind dir vielleicht besser als Faltboot bekannt. Diese bestehen aus zwei Bestandteilen: Einem Gerüst innen und einer flexiblen Bootshaut außen. Das Gerüst besteht häufig aus Aluminium, Kunststoff oder Holz. Beim Holz handelt es sich um amerikanische Weißesche. Diese ist sehr fest und extrem widerstandsfähig. Die Bootshaut am Unterschiff besteht häufig aus einer Mischung aus Katschuk und HYPALON bzw. CSM.

Ein Kanadier als Faltboot.
Ein Faltboot Kanadier von PakBoats. (Quelle: Kanu-Connection)

Faltboote erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Sie sind einfach zu transportieren, denn zusammengelegt passen sie in einen großen Packsack und wiegen auch nicht besonders viel. Das macht auch die Lagerung leicht. Eine Ecke im Keller oder in der Garage reicht völlig. Zudem haben Faltkanadier gute Fahreigenschaften. Nicht ganz so gut, wie Kanadier mit einem festen Rumpf, aber besser als aufblasbare Kanus. Lediglich der Auf- und Abbau ist mit Aufwand verbunden. Ganz bestimmt aber auch nur eine Frage des Trainings. Damit es keinen Schimmel an der Bootshaut gibt, solltest du diese vor der Lagerung immer trocknen.

Aufblasbare Kanadier aus Gummi oder PVC

Bei einem aufblasbaren Kanu hast du ebenfalls keine Probleme beim Transport oder bei der Lagerung. Wenn es so weit ist, lässt du einfach die Luft raus. Die Boote lassen sich dann in einem Rucksack transportieren. So kannst du sie beispielsweise mit ins Flugzeug oder in die Bahn nehmen. Aufblasbare Kanadier bzw. Schlauchkanadier werden aus Kautschuk oder PVC gefertigt. Einzelne Teile, wie die Sitzbänke können aus Holz oder Aluminium bestehen.

Ein aufblasbarer Kanadier von Grabner.
Der Grabner ADVENTURE ist ein aufblasbarer Kanadier. Mehr zu dem Luftboot findest du in unserem Beitrag. (Quelle: Grabner)

Die Boote haben Luftkammern, die du mithilfe einer Luftpumpe aufpumpst. Hier solltest du auf den zulässigen Betriebsdruck achten, der von Hersteller zu Hersteller variieren kann. Je höherwertig die Materialien und die Verarbeitung ist, desto höher ist auch der Betriebsdruck. Je höher der Betriebsdruck, desto höher ist auch die Steifigkeit des aufblasbaren Kanadiers, was sich wiederum positiv auf die Fahreigenschaften auswirkt. Die Luftkammern sind ein guter Puffer beim über- und anfahren von Hindernissen.

Merke!

Umso besser die verarbeiteten Materialien und die Verarbeitung dieser ist, desto höher ist auch der zulässige Betriebsdruck. Je höher der zulässige Betriebsdruck, desto höher ist auch die Steifigkeit des aufblasbaren Kanus. Je höher die Steifigkeit, desto besser sind auch die Fahreigenschaften.

Aufblasbare Kanus werden nie die gleiche Steifigkeit besitzen wie Boote mit einem festen Rumpf oder Faltboote. Nichtsdestotrotz kannst du sie gut auf dem Wasser paddeln. Ein Nachteil bei aufblasbaren Boote ist die hohe Windanfälligkeit, insbesondere dann, wenn du nur wenig Zuladung haben und kaum Tiefgang. Zudem geht es bei der richtigen Paddeltechnik darum, die Paddelbewegung möglichst nahe am Körper auszuführen. Das ist bei den breiten Luftkammern nur bedingt möglich. Zum Auf- und Abbau solltest du etwas Zeit einplanen. Luftboote sollten trocken gelagert werden.

Vor- und Nachteile eines Kanadiers

Ein großer Vorteil dieses Kanus ist, dass es ganz bestimmt auch einen Kanadier gibt, der zu dir und deinen Bedürfnissen passt. Hinzukommt, dass die „Indianer Boote“ hohe Nutzlasten aushalten. So kannst du beispielsweise mit der ganzen Familie (2 Eltern + Kinder) und Gepäck auf eine Kanutour gehen und die Natur genießen. Die Boote sind nach oben hin offen, wodurch sie sehr einfach zu beladen sind. Der Ein- und Ausstieg gestaltet sich auch einfacher, als bei manchen Kajak Modellen. Im Vergleich zum Kajak sind Kanadier weniger schnell und mehr wind- und wellenanfällig.

  • Vielseitig einsetzbar
  • Hohe Nutzlasten
  • Viel Platz
  • Familienfreundlich
  • Einfach zu beladen
  • Einfacher EinStieg
  • Einfacher Ausstieg
  • Weniger schnell
  • Windanfällig
  • Wellenanfällig
  • Kein Badeboot

Kanadier kaufen: Das geht hier

Wenn du ein Kanu und Zubehör kaufen möchtest, geht das am besten beim Kanu-Fachhändler oder beim Hersteller direkt. Diese haben meistens einen Online Shop und natürlich auch ein Ladengeschäft. Der große Vorteil beim Fachhändler ist die gute Beratung, die bei einem 3.000 Euro Kanu nicht fehlen darf. Ich lass mich gerne bei den folgenden Händlern beraten:

Das liegt mir noch am Herzen:

Wenn ich in diesem Grundkurs von Kanus, Kajaks, Kanadiern, aufblasbaren Kanus oder Faltbooten spreche, meine ich nicht die Boote von Discountern. Gute Kanus bekommst du ausschließlich beim Fachhändler oder Hersteller deines Vertrauens. Für Empfehlungen kannst du mich gerne jetzt kontaktieren.

Wenn du dir ein Kanadier kaufen möchtest, kann ich dir auch noch die folgende Checkliste mit an die Hand geben:

Kanadier kaufen: Eine Checkliste

  1. Soll es ein Kanadier für Anfänger oder fortgeschrittene Kanuten sein?
  2. Wo auf welchem Gewässer willst du paddeln (raues Meer vs. ruhiger See)?
  3. 1er Kanadier, 2er Kanadier oder für die ganze Familie?
  4. Einmal im Jahr oder regelmäßig aufs Wasser?
  5. Beachte das Material und die Materialeigenschaften!
  6. Achte auf die Fahreigenschaften!
  7. Willst du ein neues Kanu oder ein gebrauchtes?
  8. Wie ist dein Budget?

Das war mein Kanadier-Grundkurs für Einsteiger. Ich hoffe, du hast einen guten Überblick bekommen und freue mich auf dein Feedback.

FAQ

Welches Paddel nutze ich in einem Kanadier?

In einem „Indianer Kanu“ paddelst du mit einem Stechpaddel. Bei dem Stechpaddel hast du auf der einen Seite einen Knauf und auf der anderen Seite die Paddelfläche.

Welches Material wird zur Fertigung von einem Kanadier verwendet?

Kanus können aus PE, GFK, CFK, ABS, Holz, Kautschuk, PVC oder Baumwolle gefertigt werden. Dementsprechend gibt es Kanus mit festem Rumpf, aufblasbare Kanus und Faltboote.

Hannes Wagner