Das Kanu – Ein Grundkurs für Einsteiger

Das Kanu ist ein Boot, das mit der Hilfe von Paddeln in Blickrichtung bewegt wird. Diesbezüglich unterscheiden sie sich ganz entscheidend von Ruderbooten, die durch Ruder oder Skulls mit dem Rücken in Fahrtrichtung bewegt werden. Die wesentlichen Kanu-Gattungen sind Kajak und Kanadier. In unserem Grundkurs für Einsteiger erzählen wir euch alles, was ihr über das Kanu wissen müsst.

Table Of Contents

Kanu – Der Begriff

Kanu ist eine Eindeutschung aus dem englischen canoe. Ende des 19. Jahrhunderts waren vermehrt britische Kanuten in Kontinentaleuropa unterwegs. Der Alster-Canoe-Club in Hamburg ist der älteste deutsche Kanuverein und hat noch heute die traditionelle alte Schreibweise im Namen.

Der Alster Canoe Club in Hamburg-Eppendorf ist eine Kanu Station.
Der Alster-Canoe-Club ist zu Hause in Hamburg-Eppendorf und betreibt eine DKV-Kanustation. DKV-Mitglieder und Mitglieder ausländischer Kanu-Verbände können auf dem Clubgelände mitten in Hamburg zelten. (Quelle: Alster-Canoe-Club Hamburg)

Das Kanu und seine Geschichte

4.000 v. Chr. datiert man den Ursprung des Kanus. So wurde ein in etwa so altes Ur-Kanu am Euphrat gefunden. Allerdings sind diese Einbaumboote keine direkten Vorfahren der heutigen Kanus. Kajaks, Kanadier und Faltboote stammen von den Fell-, Holz- und Knochenbooten der Inuit sowie von den Rindenbooten der nordamerikanischen Indianer und wurden über die Jahre immer weiterentwickelt. Heute gibt es viele verschiedene Kanus. Egal, ob reißendes Wildwasser, spiegelglatter See oder rauhes Meer. Für jeden Einsatzbereich gibt es auch ein geeignetes Kanu.

Welche Kanus gibt es?

Kanu ist der Oberbegriff für Kajaks mit geschlossenem Deck und Sitzluke sowie für Kanadier mit traditionell offenem Deck.

Das Kajak – Ein Überblick

Das Kajak ist meistens bis auf eine Einstiegsluke geschlossen und wird mit einem Doppelpaddel gepaddelt. Durch die Luke steigst du in das Kanu ein und findest dich im Cockpit wieder. Du sitzt auf der Höhe der Wasserlinie und deine Beine sind im Boot leicht angewinkelt. Deine Knie bringen mit Hilfe eines Stemmbrettes Druck auf das Kajak. Hier hast du eine Übersicht über gängige Kajaks:

Der Kanadier – Ein Überblick

Der Kanadier ist meistens komplett offen gebaut und wird mithilfe eines Stechpaddels vorwärts bewegt. Du kannst im Kanadier sitzen oder knien. Durch die offene Bauweise hast du die Möglichkeit viel Gepäck und/oder mehrere Personen auf deine Kanutour mitzunehmen.

Bei den meisten Kanusportarten, wie Kanu-Rennsport, Kanu-Wandern oder Kanu-Marathon kannst du Kajaks und Kanadier gut voneinander unterscheiden. Im Kanu-Slalom, Wildwasser-Rennsport oder Freestyle könnte es allerdings schwierig werden. Hier können sowohl Kajaks als auch Kanadier ein geschlossenes Deck haben.

Konstruktion von Kanus

Heute gibt es zahlreiche Bauformen bzw. Bauweisen und Konstruktionen von Kanus. Diesbezüglich möchte ich dir folgend die wichtigsten Punkte mit auf den Weg geben.

Offene und geschlossene Boote

Es gibt sowohl offene Kanus, als auch geschlossene. Bei den geschlossenen Varianten handelt es sich meistens um die traditionelle Bauweise des Kajaks. Hier sitzt du im Innern des Kanus und bist vor Spritzwasser, Kälte und Wind sehr gut geschützt. Allerdings sind diese Boote nur sehr aufwendig zu beladen und bieten nur wenig Platz für Zuladung im Vergleich zu einem Kanadier. Kanadier sind meist nach oben hin offen. Dadurch sind sie einfacher zu beladen und haben mehr Raum für Zuladung. Im Kanadier bist du im Vergleich zu Kajak mehr der Witterung ausgesetzt. Wie schon berichtet, gibt es auch hier Ausnahmen.

  • Kanu-Slalom-Gesamtweltcupsieger-Herren-Canadier-Einer_Kanu-zum-Frühstück

Lang vs. kurz und schmal vs. breit

Das Gewicht des Kanus kann besser auf dem Wasser verteilt werden, desto länger das Boot ist. Diese Regel solltest du dir merken. Du bist also mit einem langen und schmalen Booten schneller, als mit einem kurzen und breiten Kanu. Schmale Kanus sind aber auch weniger stabil und kippen schneller. Kurze und breite Boote können ihr Gewicht nicht so gut auf dem Wasser verteilen, liegen dementsprechend tiefer im Wasser und sind kippstabiler. Breite Kanus müssen mehr Wasser verdrängen, was sie langsamer macht.

Renn-, Touren- und Wildwasser Kanu im Längen und Breiten Vergleich.
Der NELO Sete ist mit 5,2 m Länge und 0,41 m Breite nicht gerade stabil und nur was für Leistungssportler/Profis. Beim Maxi von Lettmann sieht es mit 4,55 m Länge und 0,66 m Breite schon besser aus. Perfekt für Einsteiger ist der Prijon Custom Line mit 4,30 m Länge und 0,66 m Breite.

Für Kanu Einsteiger eignet sich ein Allrounder, also ein langes, etwas breiteres Kanu mit einer hohen Kippstabilität. Die meisten Hersteller und Fachhändler haben ihre Produktbeschreibungen mit Skalen (z.B. 1 = Wenig Stabil, 10 = Sehr Stabil) bestückt, die Aussagen über die Kippstabilität, die Geschwindigkeit, den Geradeauslauf und die Wendigkeit treffen. An diesen Skalen kannst du dich sehr gut orientieren.

Material von Kanus

So Vielseitig die Einsatzmöglichkeiten von Kanus sind, so vielseitig sind auch die Materialien, die für die Boote verwendet werden. Von GFK über Kautschuk zu Holz gibt es heutzutage viele Möglichkeiten.

Kanus mit festem Rumpf aus GFK, PE, ABS, CFK und Holz

Die meisten Kanus bestehen aus Polyethylen (PE), Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere (ABS), Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), Kohlenstoffverstärken Kunststoff (CFK), Aramidfaserverstärktem Kunststoff oder Holz. Sie haben einen festen Rumpf sowie eine harte Schale. Die Kajaks und Kanadier sind sehr langlebig und haben ganz hervorragende Fahreigenschaften. Es gibt sie in den verschiedensten Varianten. Alle Farben, Bauformen und Ausführungen sind möglich.

Exkurs:

Es gibt bereits Firmen, wie Paddle Sports Design, die sich auf das Design von Kanus und SUPs spezialisiert haben. Du kannst natürlich auch auf einen Grafik Designer zurückgreifen, der dir dein Traumkanu erstellt.


Der NELO Viper 46 ist ein Fitnesskajak mit einer harten Schale. In dem „Walkaraound“ bekommst du einen Eindruck, von einem Kajak aus Verbundwerkstoff.

Die vielen Vorteile bei Kanus mit einem festen Rumpf liegen auf der Hand. Aufgrund der hohen Steifigkeit und den glatten Oberflächen haben sie die besten Fahreigenschaften. Im Vergleich mit Faltbooten und aufblasbaren Kanus sind sie schneller und richtungsstabiler. Der einzige Nachteil ist der Transport und die Lagerung. Die Boote lassen sich meist nur auf dem Autodach oder mit einem Fahrradanhänger von A nach B transportieren und benötigen viel Platz für die Lagerung. Für beide Nachteile gibt es im Festrumpfbereich bereits eine Altenative:

Teilbare Kanus

Teilbare Kanus sind auch als Modularkanus bekannt. Sie haben den großen Vorteil, dass sie einfacher zu transportieren sind als Kanus mit einem festen Rumpf. Diese Kanus bestehen aus mehreren Bausteinen, die sich für den Transport ineinander stecken lassen. Zusammengesteckt passen sie in jeden Kofferraum. Durch ein geringes Spaltmaß haben sie kaum Einbußen bei den Fahreigenschaften.

Ein grünes teilbares Kanu.
Teilbares Kajak (Quelle: EKÜ-Sport)

Aufblasbare Kanus aus Kautschuk oder PVC

Noch einfacher lassen sich aufblasbare Kanus transportieren. Die aufblasbaren Kajaks oder aufblasbaren Kanadier werden aus Kautschuk oder PVC gefertigt. Mit einer Luftpumpe pumpst du die Boote einfach und schnell auf. Auch der Abbau ist unkompliziert. Mit einem aufblasbaren Kanu wirst du nie die gleichen guten Fahreigenschaften erleben, wie mit einem Hartschalenkanu. Das liegt an der großen Reibungsfläche sowie der großen Windanflligkeit. Aus diesem Grund werden aufblasbare Boote auch nicht im Wettkampfsport, wie Kanu-Rennsport, Wildwasserrennsport oder Kanu-Marathon eingesetzt. Das Alleinstellungsmerkmal eines aufblasbaren Kanus ist der einfache Transport und die platzsparende Lagerung. Die meisten Luftboote lassen sich in einem Rucksack transportieren. Damit eignen sie sich hervorragend für Großstädter ohne Auto.

Wichtig bei einem aufblasbaren Kanadier oder Kajak ist die robuste Bootshaut. Beim Kanu kaufen solltest du unbedingt darauf acht geben und dich beraten lassen. Zudem ist auch der Betriebsdruck entscheidend. Je höher dieser ist, desto steifer ist auch das Luftboot, womit auch die Fahreigenschaften besser sind.

Faltkanus aus Weißesche und Kautschuk

Faltkanus oder Faltboote hatten ihre Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Seit einiger Zeit gewinnen sie aber wieder unglaublich an Zuspruch. Faltboote bestehen aus einem Gerüst, welches mit einer Bootshaut umspannt wird. Die Bootshaut besteht meist aus PVC/ Polyurethan-Mischung. Bei Klepper Faltbooten wird die robuste dunkle Bootshaut aus einer Kautschuk/ Hypalon-Mischung hergestellt. Die graue Beschichtung besteht aus einer Gummimischung, Kautschuk und CSM. Bei beiden Versionen wird das Trägergewebe TREVIRA als Festigkeitsträger verwendet. Das Gestänge besteht je nach Hersteller und Produkt aus Aluminium, Carbon oder Weißesche. Die Beschläge bestehen beim Klepper Faltboot ebenfalls aus salzwasserbeständigem Aluminium.

Faltkanus haben im gepacktem Zustand ein sehr geringes Packmaß. Dementsprechend lassen sie sich sehr gut transportieren und lagern. Faltboote kannst du sogar mit in den Flieger nehmen, wenn es in den Urlaub geht. Ein Faltboot baust du schnell auf und zudem ist es nicht so windanfällig, wie ein aufblasbares Kanu. Faltkanus haben gute Fahreigenschaften und liegen mit diesen zwischen Festrumpfkanus und aufblasbaren Booten. Sie lassen sich relativ leicht aufbauen. Diese ganzen Vorteile haben ihren Preis. Faltbare Kanus benötigen viel Pflege und sind meist teurer. Hinzukommt, dass sie anfällig gegenüber Beschädigungen im flachen Wasser sind.

Kanufahren: Vor- und Nachteile

Egal, ob rauhes Meer oder Wildwasser. Für jeden Einsatzbereich gibt es ein geeignetes Kanu. Dementsprechend ist es schwer, Vor- und Nachteile herauszuarbeiten. Ein Nachteil wäre vielleicht, dass es aktuell kein Kanu gibt, welches in allen Einsatzgebieten perfekt funktioniert und gleichzeitig für Anfänger und Profis geeignet ist. Die Eierlegendewollmilchsau sozusagen. Daher werde ich in diesem Abschnitt auf das Kanufahren und seine Vorteile eingehen.

Kanufahren ist ganz hervorragend für dein Herzkreislaufsystem. Es trainiert Herz und Lunge. Weiter ist Paddeln eine Ganzkörpersportart. Du verlierst Gewicht und verbesserst deine Kondition und Koordination. Zudem stärkst du auch deine Muskeln beim Kanufahren. Von der Rumpf- und Bauchmuskulatur bis hin zur Beinmuskulatur definierst du deinen ganzen Körper. Kajaken ist des Weiteren der optimale Ausgleich und reduziert dein Stresslevel, denn Paddeln ist gut für Körper, Geist und Seele. Nebstdem hat das Wasser eine beruhigende Wirkung und du befindest dich inmitten der Natur. Kanufahren ist nur für dich geeignet, wenn du auch schwimmen kannst.

  • Gut für dein Herzkreislaufsystem
  • Trainiert den ganzen Körper
  • Du verlierst Gewicht
  • Trainiert Kondition
  • Trainiert Koordination
  • Optimaler Ausgleich
  • Reduziert dein Stresslevel
  • Du musst schwimmen können. Das ist eine Grundvoraussetzung.

Kanu kaufen? – Das geht hier

Ein Kanu kaufen kannst du sowohl online als auch im Ladengeschäft. Nun haben nicht alle Fachhändler oder Hersteller für jedes Einsatzgebiet auch ein geeignetes Kanu im Angebot. Die Einen sind spezialisiert auf Rennboote und die anderen auf Faltboote. Dementsprechend solltest du dich vorher informieren. Das geht sehr gut online. Einer der folgenden Händler hat auf jeden Fall ein geeignetes Kanu für dein Vorhaben.

Die folgenden Punkte werden dir beim Kanu kaufen helfen. Diese solltest du unbedingt beachten.

Kanu kaufen: Deine Checkliste

  1. Soll es ein Kanu für Anfänger oder fortgeschrittene Kanuten sein?
  2. Wo auf welchem Gewässer willst du paddeln gehen (raues Meer vs. ruhiger See)?
  3. Gehst du alleine oder mit Freunden oder Familie paddeln?
  4. Schönwetterpaddler oder regelmäßig aufs Wasser?
  5. Beachte das Material und die Materialeigenschaften!
  6. Achte auf die Fahreigenschaften!
  7. Willst du ein neues Kanu oder ein gebrauchtes?
  8. Wie ist Dein Budget?

Das liegt mir noch am Herzen:

Wenn ich in diesem Grundkurs von Kanus, Kajaks, Kanadiern, aufblasbaren Kanus oder Faltbooten spreche, meine ich nicht die Boote von Discountern. Gute Kanus bekommst du ausschließlich beim Fachhändler oder Hersteller deines Vertrauens. Für Empfehlungen kannst du mich gerne jetzt kontaktieren.

FAQ

Wie kann ich ein Kanu transportieren?

Generell kannst du alle Kanus auf deinem Autodach oder einem Bootshänger transportieren. Dafür benötigst du lediglich einen Dachträger und mindestens zwei Spanngurte. Hier solltest du auf die gesetzlichen Vorgaben achten. Für kurze strecken eignet sich auch ein Fahrradanhänger. Aufblasbare Kanus und Faltboote lassen sich durch ihr geringes Packmaß auch in einem mittelgroßen Rucksack verstauen.

Wie viele Personen passen in ein Kanu?

Das kommt ganz auf das Kanu an. Informationen findest du dazu in den Produktbeschreibungen der Hersteller und Fachhändler. Hier solltest du auch auf die „Nutzlast“ achten. Sie gibt das höchste Gewicht an, mit dem das Kanu verkehren darf. In größere Wanderkanadier finden bis zu vier erwachsene Personen Platz. Die Nutzlast bei diesen Booten beträgt zirka 510 kg.

Warum Kanufahren?

Kanufahren hat zahlreiche Vorteile. Du bist in der Natur und trainierst deine Kondition und Koordination. Zudem hilft dir das Paddeln dein Stresslevel zu reduzieren. Also worauf wartest du noch?

Wo kann ich Kanufahren?

Paddeln kannst du überall dort wo es erlaubt und das Wasser tief genug ist. Für jeden Einsatzbereich gibt es heute auch ein geeignetes Kanu.

Wo kann ich ein Kanu kaufen?

Dein Kanu kannst du online als auch im Ladengeschäft kaufen. So oder so solltest du immer bei einem Kanu-Fachhändler oder beim Hersteller kaufen. Gute Kanus können schnell über 1.000 Euro kosten. Daher solltest du dich auch gut beraten lassen. Guck doch mal bei einem unser Partner vorbei (siehe Banner im Header oder unter dem Absatz Kanu kaufen weiter oben im Text).

Wer sitzt wo im Kanu?

Hinten kannst du das Kanu mit dem Paddel besser steuern. Daher sitzt vorne die Person mit weniger Paddel Erfahrung. So kann der erfahrene Paddler hinten einfacher Korrekturen vornehmen.

Wer lenkt beim Kanu?

Generell kann jeder Kanufahrer in einem Kanu lenken. Wenn du ein Steuer an deinem Kanu hast, sollte der erfahrenere Paddler steuern. Ideal ist es, wenn dieser Paddler hinten sitzt und die Steuerung auch dort angebracht wurde. Ohne Steuer sollte der Hintere lenken. Perfekt ist, wenn der Hintere wiederum der erfahrene Paddler ist.

Welches Kanu soll ich kaufen?

Das kommt ganz darauf an, was du mit dem Kanu vor hast. Unsere Checkliste hilft dir deine Suche einzuschränken (siehe Kanu kaufen: Deine Checkliste). Generell stehen dir die Kanu-Fachhändler immer mit Rat und Tat zur Seite.

Welche Schuhe kann ich im Kanu anziehen?

Kanufahren ist eine Wassersportart. Deine Schuhe sollten also nass werden dürfen. In der warmen Jahreszeit ganz du ohne Schuhe paddeln gehen. In den kälteren Monaten empfehle ich dir Neopren Schuhe.

Hannes Wagner