Köpenicker Kanusportclub (KKC)
Vereinsporträt von Kanu zum Frühstück. Die offizielle Website des Vereins ist kkc-berlin.de. Weitere Vereine stellen wir in der Übersicht der Kanuvereine vor.
Bootshaus
Köpenicker Kanusportclub
Weiskopffstraße 15
12459 Berlin
Der Verein in Kürze
- Gegründet: am 28. September 1990 mit 32 Gründungsmitgliedern, hervorgegangen aus der Kanuabteilung der TSG Oberschöneweide.
- Sitz und Revier: Bootshaus in der Weiskopffstraße 15 in 12459 Berlin, am rechten Spreeufer bei Kilometer 30,2 im Bezirk Treptow-Köpenick, gleich neben der Wuhlheide.
- Sparten: Kanurennsport für Kinder und Jugendliche mit fast täglichem Training, dazu Drachenboot mit vier Teams, darunter ein Team für blinde und sehbehinderte Paddler.
- Herausragend: Hier hat Jacob Schopf 2007 mit dem Paddeln begonnen. Als KKC-Sportler wurde er dreimal Junioren-Weltmeister und zweimal Weltmeister, später in Paris zweifacher Olympiasieger.
- Mitmachen: Kükentage für Kinder, Schnuppertraining, offene Drachenbootteams, dazu ein Jugendgästehaus mit 28 Betten und eine DKV-Kanustation mit Zeltwiese am Wasser.
Der Köpenicker Kanusportclub e.V., kurz KKC oder KKC Berlin, gelegentlich auch Köpenicker Kanusport Club geschrieben, ist ein Kanuverein im Südosten Berlins. Sein Bootshaus steht in der Weiskopffstraße in Oberschöneweide direkt an der Spree. Der Verein versteht sich vor allem als Ausbildungsstätte für den Kinder- und Jugendsport: Auf der Spree trainieren die Rennsportgruppen fast jeden Tag.
Gegründet wurde der KKC im Herbst 1990, wenige Tage vor der deutschen Einheit, aus der Kanuabteilung eines Betriebssportvereins. Seitdem hat er sich neben dem Rennsport ein zweites Standbein im Drachenboot aufgebaut, betreibt ein eigenes Jugendgästehaus und hat mit Jacob Schopf einen Paddler hervorgebracht, der heute zu den erfolgreichsten deutschen Kanuten gehört. Dieses Porträt fasst zusammen, was sich über Geschichte, Erfolge, Angebot und Gelände belegen lässt.
Geschichte: vom Betriebssport zum eigenen Verein
Der Paddelsport an der Weiskopffstraße ist älter als der Verein. Bis 1990 gehörte das Bootshaus zur Kanuabteilung der TSG Oberschöneweide. Am 28. September 1990 kamen 32 Mitglieder zur Gründungsversammlung zusammen, benannten die Abteilung in Köpenicker Kanusportclub e.V. um und wählten Uwe Goldammer zum ersten Vorsitzenden. So hält es die Vereinschronik fest, die der KKC auf seiner Website bereitstellt. Noch im selben Jahr trat der Verein dem Landes-Kanu-Verband Berlin und dem Landessportbund Berlin bei und wurde als gemeinnützig anerkannt. Der Sportbetrieb war damals vor allem Kanurennsport.
Die ersten Jahre nach der Wende waren ein Umbau in jeder Hinsicht. Zum Jahresende 1990 endeten die hauptberuflichen Anstellungen der Trainer. Boote und Inventar musste der neue Verein 1991 von der TSG übernehmen, zum Teil erst per Gerichtsentscheid. Über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen kamen ab 1991 Objektwarte und ein Vereinskoordinator ins Haus, und 1993 unterschrieb der Verein einen Nutzungsvertrag mit dem Bezirksamt Köpenick über zehn Jahre, der 1997 bis 2013 verlängert wurde. Unter dem langjährigen Vorsitzenden Frank List, der den Verein ab 1992 führte, wuchs das Angebot in die Breite: Kanupolo ab 1992, ab 1994 Wanderboote und das Konzept „Kanu für Jedermann“ mit Wandertagen und Wochenendfahrten, 1998 eine eigene Kanuwandersportabteilung.
Das Vereinshaus wurde in dieser Zeit Stück für Stück erneuert. Mit Geld aus dem Berliner Vereinsförderprogramm „Berlin 2000“ bekam es 1995 ein neues Dach, neue Fenster und eine sanierte Bootshalle. Aus der früheren Hausmeisterwohnung und der zweiten Etage wurde eine Herberge für Sportler und Gruppen. 2001 erweiterte der Verein seinen Zweck um Jugendpflege und Beherbergung, die Grundlage des heutigen Jugendgästehauses. Ein Brand zerstörte zu Pfingsten 2003 den Kraftraum, im Oktober desselben Jahres war ein neuer eingeweiht. Im selben Jahr beschlossen die Mitglieder, dass jedes Mitglied ab 14 Jahren sechs Stunden im Jahr für die Pflege des Geländes arbeitet.
2015 feierte der KKC sein 25-jähriges Bestehen mit knapp 200 Mitgliedern und Freunden am Bootshaus. Zur gleichen Zeit lief eine Bausteinaktion für einen neuen Sanitärtrakt: Wer spendete, bekam einen Baustein für ein Modell des Vereinshauses. 557 Bausteine kamen zusammen, und im April 2016 war die erste Bauphase mit neuen Sanitärräumen und einer Terrasse abgeschlossen.
Sportliche Erfolge und Jacob Schopf
Der bekannteste Sportler des Vereins ist Jacob Schopf. Er begann 2007 als Achtjähriger im KKC mit dem Kanurennsport, durch einen Schulfreund, wie die Wikipedia berichtet. Für den Köpenicker Kanusportclub wurde er 2016 in Minsk Junioren-Weltmeister im Einer-Kajak und verteidigte den Titel 2017 in Pitești, wo er zusätzlich im Vierer-Kajak gewann. Berlin wählte ihn zum Nachwuchssportler des Jahres 2016.
Schon im ersten Jahr in der Leistungsklasse wurde er 2018 in Montemor-o-Velho Weltmeister im Vierer-Kajak über 1000 Meter. 2019 folgten Gold bei den Europaspielen in Minsk und der WM-Titel im Zweier-Kajak über 1000 Meter mit Max Hoff in Szeged. Unser Vorbericht zu dieser WM nannte ihn noch den „Youngster Jacob Schopf vom Köpenicker Kanusportclub Berlin“. Zum Jahresbeginn 2020 wechselte er zum Kanu-Club Potsdam, weil dort eine starke Trainingsgruppe wartete und sein Berliner Trainer in Rente ging. Der KKC nannte ihn zum Abschied den erfolgreichsten Kanuten seiner Geschichte und machte ihn zum Ehrenmitglied.
Die großen olympischen Erfolge kamen danach im Trikot des KC Potsdam: Silber im Zweier-Kajak über 1000 Meter in Tokio und 2024 in Paris zwei Goldmedaillen, im Zweier und im Vierer über 500 Meter. Paddeln gelernt hat er an der Weiskopffstraße.
Auch ohne Weltmeister im Boot fährt der Nachwuchs des KKC regelmäßig zu Deutschen Meisterschaften. Das bisher beste Ergebnis in der Vereinsgeschichte hält die Chronik für 2004 fest: vier Gold-, vier Silber- und zwei Bronzemedaillen bei der DM. 2018 kehrten drei Nachwuchssportler des Vereins als Deutsche Meister aus Hamburg zurück, zum Teil in Booten einer Berliner Renngemeinschaft, 2017 wurde ein Junior des Vereins im Zweier mit einem Partner von der AdW Berlin Deutscher Meister im Kanu-Marathon, und 2023 gewann eine KKC-Schülerin den Titel über die Langstrecke. Im Drachenboot siegten die Köpenicksen beim City Cup in Berlin-Grünau und die Quereinsteiger beim Drachenbootcup in Halle. 2016 paddelte eine Sportlerin des Vereins in der deutschen Ü40-Damenmannschaft bei der Drachenboot-EM in Rom zu Gold über 2000 Meter.
Sparten und Angebot
Kanurennsport
Der Rennsport ist das Herz des Vereins. Es gibt drei Trainingsgruppen unterschiedlichen Alters und Leistungsstands, die fast täglich auf der Spree trainieren. Im Winter, wenn kein Wassertraining möglich ist, wird in der Halle gespielt, gelaufen oder im eigenen Kraft- und Gymnastikraum gearbeitet. Die Regattasaison reicht von April bis Oktober, in den Ferien gibt es Trainingslager. Der Verein betont auf seiner Website, dass der Spaß und der Zusammenhalt in der Gruppe mindestens so wichtig sind wie Erfolge. Neben dem Kajak gibt es eine Trainingsgruppe für Canadierfahrerinnen, die der Verein eröffnete, als der Canadier für Frauen Wettkampfdisziplin wurde.
Drachenboot
Die Drachenbootabteilung hat vier Teams. Die Quereinsteiger sind ein gemischtes Breitensportteam mit über 30 Mitgliedern, das es seit 2006 gibt und das nach eigenen Worten auf der Regattastrecke in Grünau angefangen hat. Aus ihm gingen 2008 die Köpenicksen hervor, ein Damenteam, nachdem ein reines Frauenboot der Quereinsteiger den City-Cup in Berlin gewonnen hatte. Dazu kommen ein zweites Damenteam, die Top Dragons, und das Inklusionsteam Berlin Blind Dragon. Die Teams fahren Regatten in und um Berlin, Auswärtsfahrten führten nach Amsterdam, Warnemünde, Greifswald und Minden.
Wandern, Polo und Vereinsleben
Beim Deutschen Kanu-Verband ist neben Rennsport und Drachenboot das Kanuwandern als Aktivität des Vereins eingetragen. Kanupolo hat der KKC in den Neunzigerjahren aufgebaut, auf der heutigen Vereinswebsite steht es nicht mehr als Sparte. Zum Vereinsleben gehören eine jährliche Vereinsmeisterschaft, das Abpaddeln im Herbst, Jugendfahrten und Quizabende.
Was den Verein besonders macht
Seit Mai 2012 trainieren beim KKC blinde und sehbehinderte Menschen im Drachenboot, nach Angaben des Vereins die ersten in Berlin. Daraus ist ein regulärer Trainingsbetrieb geworden, das Team heißt Berlin Blind Dragon. Beim Trockentraining führen sehende Sportler den blinden Paddlern die Hände, bis die Bewegung sitzt. Der Landessportbund Berlin zeichnete das Projekt beim Zukunftspreis 2017 mit dem siebten Platz aus. 2022 baute der Verein einen eigenen Bootswagen, mit dem sich das schwere Drachenboot von wenigen Leuten an Land bewegen und direkt ins Wasser slippen lässt.
Auffällig ist auch, wie viel Gewicht der Verein auf Mädchen und Frauen legt. Für den Zukunftspreis „Frauen im Sport“ 2015 des Bezirksamts Treptow-Köpenick bekam der KKC den ersten Platz. In einem Vereinsporträt, das das Bezirksamt veröffentlicht hat, nennt er 163 Mitglieder, davon 51 Kinder und Jugendliche, und ein Trainerteam, in dem von fünf lizenzierten Trainern vier Frauen sind.
Und schließlich ist der KKC Gastgeber. Regelmäßig richtet er den Berliner Drachenbootdreikampf auf der Strecke vor dem Bootshaus aus, 2025 zum achten Mal mit zehn Teams über 500, 1000 und 2600 Meter. 2026 war der Verein Ausrichter des Vierer-Parallelsprints, einer Regatta, die jedes Jahr bei einem anderen Berliner Verein stattfindet.
Bootshaus und Revier
Das Vereinsgelände liegt in der Weiskopffstraße 15 in 12459 Berlin, im Ortsteil Oberschöneweide am Nordufer der Spree. Der Deutsche Kanu-Verband verortet es am rechten Ufer bei Spree-Kilometer 30,2. Zum Gelände gehören Bootshalle, Vereinshaus mit großem Saal, Kraft- und Gymnastikraum und eine Wiese direkt am Wasser. Gleich nebenan liegt das Freizeit- und Erholungszentrum FEZ in der Wuhlheide, und 1994 zog der Tauchclub Lichtenberg mit auf das Gelände, er ist bis heute Nachbar des KKC. Mit der Straßenbahn fährt man bis zur Haltestelle Weiskopffstraße, vom S-Bahnhof Wuhlheide sind es rund 15 Minuten zu Fuß.
Vom Steg aus liegt das ganze Gewässernetz im Berliner Südosten offen. Spreeaufwärts erreicht man Köpenick, wo an der Schlossinsel die Dahme in die Spree mündet und nach Süden Richtung Grünau und Zeuthener See führt. Weiter stromauf fließt die Spree als Müggelspree durch den Müggelsee. Spreeabwärts geht es durch Schöneweide in Richtung Innenstadt. Wer die Spree weiter oben kennenlernen will, findet bei uns die Kanutour im Spreewald und die Übersicht über Kanuverleihe, Vereine und Stationen an der Spree, in der auch der KKC als DKV-Kanustation steht.
Gäste: Jugendgästehaus und Kanustation
Der KKC betreibt im Vereinshaus ein Jugendgästehaus mit 28 Schlafplätzen auf zwei Etagen, vom Einzel- bis zum Achtbettzimmer, mit Etagenduschen. Gedacht ist es für Jugendgruppen, Klassenfahrten und die Unterbringung von Sportlern, im Rahmen solcher Aufenthalte auch für Tagungen im großen Saal. Die Innenstadt mit Alexanderplatz und Brandenburger Tor ist nach Angaben des Vereins mit öffentlichen Verkehrsmitteln in etwa einer halben Stunde erreichbar.
Für Wasserwanderer ist der KKC als DKV-Kanustation ausgewiesen. Wer mit dem eigenen Boot auf der Spree unterwegs ist, kann auf der Wiese direkt am Wasser zelten. Einen Bootsverleih für einzelne Paddler beschreibt die Vereinswebsite nicht. Angeboten werden dagegen Drachenbootausflüge für Schulklassen, Jugendgruppen, Belegschaften und Vereine, mit kurzer Einführung und ohne Vorkenntnisse. Anfragen für Haus, Saal und Ausflüge laufen über die Geschäftsstelle.
Mitmachen
Für Kinder beginnt der Weg in den Rennsport meist mit einem Kükentag. Dazu lädt der Verein Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren ein, die Kraft-, Lauf- und Paddeltraining kennenlernen. Im Mai 2026 kamen 50 Kinder. Voraussetzung ist, dass du schwimmen kannst, mindestens das Seepferdchen, und Lust auf Bewegung mitbringst. Kontakt zum Trainerteam und einen Antrag für ein Schnuppertraining findest du auf der Website.
Beim Drachenboot ist der Einstieg noch einfacher. Die Teams sagen ausdrücklich, dass jeder willkommen ist, egal wie alt oder wie fit: Du kommst mit Sportsachen zum Training und steigst ins Boot. Schwimmen können musst du auch hier. Die Trainingszeiten der einzelnen Teams stehen auf deren Seiten.
Satzung, Beitrittserklärung und Beitragsordnung stellt der Verein als Download bereit. Alles Aktuelle zu Gruppen, Terminen und Kontakten findest du auf kkc-berlin.de. Den Eintrag des KKC und weitere Vereine in Berlin findest du in unserem Branchenbuch, Regatten und Fahrten in der Region stehen in unserem Terminkalender.
Bei Kanu zum Frühstück
Über Jacob Schopf in seiner Zeit beim KKC haben wir mehrfach berichtet:
- DKV-Nachwuchs überzeugt bei Junioren-WM (2017, Titelverteidigung im Einer)
- Deine Stimme für Doppel-Juniorenweltmeister Jacob Schopf (2017)
- Der Berliner Jacob Schopf zeigt es den alten Hasen (2019, Sieg bei der nationalen Qualifikation)
- Die Kanu-Rennsport Weltmeisterschaft 2019 (Vorbericht mit Hoff und Schopf)
- Kanu-Rennsport WM 2019: Unsere vier Highlights (WM-Gold im Zweier)
Mehr zum Sport, den die vier Teams des Vereins betreiben, steht in unserem Leitfaden zum Drachenbootrennen.
