SUP-WM 2026: Die Generation 60+ ist bereit für eigene Weltmeistertitel
35 Athleten, 95 Meldungen und Leistungen, die sich vor keiner jüngeren Klasse verstecken müssen: Bei der Weltmeisterschaft im Stand-up-Paddling in Sabaudia hat die Generation 60+ gezeigt, dass sie eine eigene Wertung längst verdient hätte. Offiziell starten die über Sechzigjährigen weiter bei den Masters 50+. Rechnet man ihre Ergebnisse heraus, entsteht ein eigenes Rennen mit eigenen Geschichten.
Das Wichtigste in Kürze
- 35 Athleten mit Jahrgang 1966 oder älter waren gemeldet, zusammen 95 Einzelmeldungen in drei Disziplinen.
- Chris Stringer aus Kanada, Jahrgang 1964, gewann das Sprintfinale der Masters 50+ und schlug damit alle Jüngeren.
- Arnd Dünzinger aus Deutschland wäre im Technical Race der beste Athlet seiner Generation gewesen.
- Larry Cain, Olympiasieger von 1984, gewann die Langstreckenwertung der Generation 60+.
- Eine eigene Klasse gibt es nicht. Alle Titel und Platzierungen in diesem Beitrag sind nachträglich errechnet.
95 Meldungen sind keine Randerscheinung
Von sportlichem Ruhestand keine Spur. Bei der WM 2026 im italienischen Sabaudia standen 35 männliche Athleten des Jahrgangs 1966 und älter in der Meldeliste, viele davon in mehreren Disziplinen. Die offizielle Teilnehmerliste weist 34 Meldungen im Sprint, 29 im Technical Race und 32 auf der Langstrecke aus, zusammen 95 Einzelmeldungen.
Zum Vergleich: Eine eigene Masters-C-Wertung hätte damit in jeder Disziplin ein größeres Feld gehabt als manche bestehende Klasse. Das Interesse ist also da, die Leistungsdichte ebenfalls.
Sprint: Chris Stringer schlägt auch die Jüngeren
Für den eindrucksvollsten Moment sorgte Chris Stringer aus Kanada. Mit 27,12 Sekunden gewann der Jahrgang 1964 das A-Finale der Masters 50+, und zwar vor seinem Landsmann Tommy Buday (1976) und dem Kasachen Zhomart Satubaldin (1975). Ein Zweiundsechzigjähriger schlug im Sprint ein Feld, das im Schnitt rund zehn Jahre jünger war.
| Platz | Athlet | Land | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1 | Chris Stringer | Kanada | A-Finale, 27,12 s |
| 2 | Larry Cain | Kanada | B-Finale, 28,22 s |
| 3 | Arnd Dünzinger | Deutschland | C-Finale, 29,98 s |
| 4 | Pawel Traczewski | Polen | Viertelfinale, 31,31 s |
| 5 | Henrik Carstens | Dänemark | Viertelfinale, 33,03 s |
| 6 | Karl Eugster | Schweiz | Viertelfinale, 36,01 s |
Technical Race: Arnd Dünzinger an der Spitze
Im Technical Race über 1.000 Meter hätte Deutschland den Sieg gestellt. Arnd Dünzinger, Jahrgang 1965, kämpfte sich bis ins B-Finale der Masters 50+ und belegte dort Rang sechs in 5:44,45 Minuten. Vor ihm lag in seiner Altersgruppe niemand: Alle Athleten des A-Finales waren jünger, der älteste dort kam aus dem Jahrgang 1968.
Silber wäre an Bojan Bernard aus Slowenien gegangen, Jahrgang 1962, der das C-Finale erreichte. Bronze hätte sich der Italiener Massimo Giglione mit seiner Halbfinalteilnahme gesichert.
| Platz | Athlet | Land | Weiteste Runde |
|---|---|---|---|
| 1 | Arnd Dünzinger | Deutschland | B-Finale |
| 2 | Bojan Bernard | Slowenien | C-Finale |
| 3 | Massimo Giglione | Italien | Halbfinale, 5:50,17 |
| 4 | Mark Kruisheer | Schweiz | Viertelfinale, 5:47,51 |
| 5 | Henrik Carstens | Dänemark | Viertelfinale, 5:49,08 |
| 6 | Jose Perotti | Spanien | Viertelfinale, 5:52,32 |
| 7 | Giorgio Magi | Italien | Viertelfinale, 5:53,72 |
| 8 | Karl Eugster | Schweiz | Viertelfinale, 5:58,17 |
| 9 | Chris Stringer | Kanada | Viertelfinale, 6:09,09 |
Langstrecke: Ein Olympiasieger von 1984 setzt sich durch
Auf der Langstrecke zeigte Larry Cain aus Kanada seine ganze Erfahrung. Cain ist eine Legende des Kanurennsports: Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles gewann er Gold über 500 Meter und Silber über 1.000 Meter im Einer-Canadier, danach startete er auch 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona. Zweiundvierzig Jahre nach seinem Olympiasieg war er in Sabaudia der Schnellste seiner Generation.
Mit 1:14:25,95 Stunden kam er als Zehnter der Masters 50+ ins Ziel und lag damit fast zwei Minuten vor Arnd Dünzinger. Bronze ging an Bojan Bernard.
| Platz | Athlet | Land | Zeit | Rang bei den Masters 50+ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Larry Cain | Kanada | 1:14:25,95 | 10. |
| 2 | Arnd Dünzinger | Deutschland | 1:16:19,47 | 14. |
| 3 | Bojan Bernard | Slowenien | 1:17:19,00 | 19. |
| 4 | Henrik Carstens | Dänemark | 1:19:45,14 | 27. |
| 5 | Alexander Gäbler | Deutschland | 1:21:45,77 | 38. |
| 6 | Massimo Giglione | Italien | 1:22:29,37 | 43. |
| 7 | Karl Eugster | Schweiz | 1:22:44,67 | 47. |
| 8 | Giorgio Magi | Italien | 1:23:04,02 | 51. |
| 9 | Mark Kruisheer | Schweiz | 1:23:20,70 | 53. |
| 10 | Giuseppe Monaco | Italien | 1:24:11,51 | 58. |
Das Feld reichte weit über diese zehn hinaus. Insgesamt kamen 28 Athleten des Jahrgangs 1966 oder älter auf der Langstrecke ins Ziel, der älteste war der Italiener Moreno Formica, Jahrgang 1952. Fünf Deutsche waren dabei: Neben Dünzinger und Gäbler gingen Christoph Straub, Michael Jarosch und Thomas Ullstein an den Start.
Die Köpfe dieser Generation
Jahrgang 1965 und der vielseitigste im Feld: vorn im Technical Race, Zweiter auf der Langstrecke, Dritter im Sprint. In allen drei Disziplinen unter den Besten.
Jahrgang 1964. Sein Sprintsieg im A-Finale der Masters 50+ ist die eindrucksvollste Einzelleistung dieser WM, weil er dabei ein deutlich jüngeres Feld hinter sich ließ.
Jahrgang 1963, Olympiasieger im Canadier von 1984. Auf der Langstrecke der Schnellste seiner Generation, im Sprint Zweiter.
Mit Jahrgang 1962 einer der Ältesten und trotzdem zweimal vorn: Rang zwei im Technical Race, Rang drei auf der Langstrecke.
Warum es diese Klasse noch nicht gibt
Die Ergebnisse werfen eine naheliegende Frage auf. Mit 29 bis 34 Meldungen je Disziplin wäre eine eigene Wertung gut gefüllt gewesen, die Leistungen waren hochklassig und das Feld international besetzt.
Dabei bräuchte es nicht einmal eigene Rennen. Die Athleten könnten weiter gemeinsam mit den Masters 50+ starten und zusätzlich in einer eigenen Altersklasse gewertet werden. Auf der Langstrecke ginge das sofort, weil dort alle dieselbe Strecke fahren und die Zeiten direkt vergleichbar sind. Für Sprint und Technical Race bräuchte es eine Regel, wie Qualifikations- und Finalrunden in eine Rangfolge übersetzt werden.
National gibt es die Klasse längst. Bei der SUP Alps Trophy starten Dünzinger, Carstens und Gäbler in einer eigenen Wertung Master 60. Und die Nordic SUP League im Norden führt in ihrer Long-Distance-Wertung ausdrücklich eine Klasse Masters C für Jahrgang Ü60, unter genau dem Namen also, der hier fehlt. Gewertet wird dort auch wirklich: beim Finale an der Alster 2025 ebenso wie beim 7Towers SUP Race in Lübeck im Juli 2026. Zwei deutsche Rennserien führen damit eine Wertung, die es bei der Weltmeisterschaft nicht gibt.
Was Stand-up-Paddling als Sport ausmacht, steht in unserem Überblick. Sabaudia hat gezeigt, wie leistungsfähig diese Generation ist. Stringers Sprintsieg, Dünzingers Vielseitigkeit, Cains Ausdauer: Die Masters C war sportlich längst Wirklichkeit. Es fehlten nur die Titel.
Zur Einordnung: Eine Altersklasse Masters C gibt es bei der SUP-Weltmeisterschaft nicht. Die Platzierungen in diesem Beitrag haben wir nachträglich aus den amtlichen Ergebnislisten und den Geburtsjahrgängen der Meldeliste errechnet, indem wir aus den Ergebnissen der Masters 50+ alle Athleten des Jahrgangs 1966 und älter herausgefiltert haben. Bei Sprint und Technical Race sind nur Läufe ab dem Viertelfinale berücksichtigt, die Ranglisten dort sind deshalb unvollständig. Sämtliche hier genannten Siege und Medaillen sind rechnerisch und wurden nicht vergeben.
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