Die Eskimorolle: was sie ist und wie du sie lernst
Wer kentert, hat zwei Möglichkeiten. Aussteigen, schwimmen, Boot an Land bringen, Wasser ausgießen, neu einsteigen. Oder liegen bleiben, einmal durchziehen und nach zwei Sekunden wieder atmen. Das Zweite ist die Eskimorolle, und sie ist der Handgriff, der den Kajaksport von allen anderen Bootssportarten unterscheidet.
Der Ruf der Rolle ist allerdings schlechter als ihr Schwierigkeitsgrad. Sie ist keine Kraftübung. Wer sie nicht schafft, scheitert fast immer an derselben Stelle, und zwar am Kopf.
Das Wichtigste in Kürze
- Was sie ist: Mit der Eskimorolle richtest du ein gekentertes Kajak wieder auf, ohne aus dem Boot zu steigen.
- Worauf es ankommt: Die Hüfte dreht das Boot, das Paddel gibt nur Halt, und der Kopf kommt zuletzt aus dem Wasser.
- Der häufigste Fehler: Zu früh nach Luft schnappen. Der Kopf ist schwer und zieht das Boot zurück.
- Wie sie heißt: Eskimorolle ist der alte Name, Kenterrolle und Kajakrolle sind die neueren. Eine offizielle Umbenennung gibt es nicht.
- Wo du sie lernst: Im Hallenbad, im Verein, in einem Rollkurs. Draußen am kalten Fluss lernt sie niemand.
Was die Eskimorolle ist
Die Eskimorolle ist eine Technik, mit der ein Paddler sein kopfüber im Wasser liegendes Kajak wieder aufrichtet, ohne das Boot zu verlassen. Du bleibst unter der Spritzdecke sitzen, drehst dich mit dem Boot einmal um die Längsachse und tauchst auf der anderen Seite wieder auf.
Das klingt nach Akrobatik, ist aber in erster Linie Physik. Der Deutsche Kanu-Verband erklärt es über das Drehmoment: Das Moment, das du erzeugst, muss größer sein als das Moment, das Boot und Körper in der Kenterlage hält. Dazu kommt der Auftrieb des flach auf dem Wasser liegenden Paddelblatts. Der Trick besteht darin, zuerst das Becken zu kippen und damit das Boot zu drehen, und den Körper erst am Ende aufzurichten.
Abzugrenzen ist die Rolle von zwei anderen Dingen. Beim Ausstieg verlässt du das Boot und schwimmst, das kostet Zeit und im Wildwasser Nerven. Bei der Eskimorettung klopfst du an den Bootsrumpf, ein Partner fährt heran, und du ziehst dich an seinem Boot hoch. Die Rolle ist die Variante, die du allein kannst.
Eskimorolle, Kenterrolle oder Kajakrolle?
Gesucht wird nach „Eskimorolle“, geschrieben wird immer häufiger „Kenterrolle“. Beides ist richtig, und die Frage, was man heute sagt, lohnt eine klare Antwort.
Das Wort „Eskimo“ ist eine Bezeichnung von außen. In Kanada und Grönland gilt sie als abwertend, die Menschen dort nennen sich Inuit. In Alaska ist der Begriff teilweise noch in Gebrauch, weil „Inuit“ die Yupik und andere Gruppen gar nicht einschließt. Im Kanusport führt das dazu, dass die Technik seit Jahren unter mehreren Namen läuft: Eskimorolle, Kenterrolle, Kajakrolle, und als Tätigkeit auch Eskimotieren oder einfach Rollen.
Eine offizielle Umbenennung durch einen Verband gibt es nicht. Der Duden führt „Eskimorolle“ weiter als Stichwort. Der Deutsche Kanu-Verband überschreibt seine eigene Sicherheitsseite dagegen mit „Kenterrolle“ und nennt die Eskimorolle nur als Alternative.
Wir schreiben Kenterrolle, wenn es um die Technik geht, und nennen die Eskimorolle dort, wo Leser sie suchen. Wer den alten Namen benutzt, meint nichts Böses damit. Wer den neuen benutzt, muss niemanden belehren.
So läuft die Rolle ab
Es gibt viele Rollformen, der Grundablauf ist bei allen derselbe. Vier Schritte, und nur einer davon braucht Timing.
| Schritt | Was passiert | Häufigster Fehler |
|---|---|---|
| 1. Paddel anlegen | Du liegst kieloben, beugst den Oberkörper ans Deck und legst das Paddel längs an die Bordwand. | Hektik. In dieser Lage hast du Zeit. |
| 2. Blatt flach ausholen | Das vordere Blatt liegt flach an der Oberfläche und streicht in einem Bogen nach außen. | Das Blatt steht auf der Kante und schneidet nach unten weg. |
| 3. Hüftknick setzen | Das Becken kippt das Boot um die Längsachse zurück. Knie und Füße haben Kontakt zum Boot. | Am Paddel ziehen statt mit der Hüfte drehen. |
| 4. Aufrichten | Oberkörper und Arme folgen der Hüfte, der Kopf kommt als Letztes aus dem Wasser. | Der Kopf hebt sich zuerst, das Boot kippt zurück. |
Der dritte Schritt ist der eigentliche. Alles andere ist Vorbereitung. Wer den Hüftknick hat, rollt irgendwann auch mit einem schlecht liegenden Paddel. Wer ihn nicht hat, rollt auch mit perfekter Paddelhaltung nicht.
Die vier Fehler, an denen es fast immer liegt
Der Kopf kommt zuerst. Das ist der Klassiker, und er ist ein Reflex: Unter Wasser will man atmen, also hebt man den Kopf. Ein Kopf wiegt mehrere Kilogramm, und er sitzt ganz oben. Hebt er sich früh, dreht er das Boot wieder in die Kenterlage. Das Gegenmittel ist unbequem und einfach: Blick zum Paddelblatt, bis die Schulter über Wasser ist.
Du ziehst am Paddel. Das Blatt soll tragen, nicht heben. Wer kräftig zieht, drückt es nach unten weg und verliert den Halt. Das Paddel streicht flach über die Oberfläche, ungefähr so, als würdest du Sahne vom Teller schieben.
Die Beine sind passiv. Ohne Kontakt zu Schenkelstützen und Fußstützen überträgt die Hüfte nichts auf das Boot. Wenn du im Boot sitzt wie auf einer Bank, rollst du nicht. Wie man überhaupt richtig im Boot sitzt, steht in Wer sitzt wo im Kanu.
Du übst gegen die Uhr. Die Rolle ist ein Bewegungsmuster, kein Kraftakt. Zehn ruhige Versuche bringen mehr als dreißig im Erschöpfungszustand. Und wer Luft spart, hat weniger Panik: Die meisten Anfänger sind nach zwei Sekunden oben, kommen sich aber vor wie nach zehn.
Wie du die Rolle lernst
Die Reihenfolge ist in jedem Kurs dieselbe, und sie funktioniert. Jede Stufe sitzt, bevor die nächste kommt.
- Hüftknick am Beckenrand. Du sitzt im Boot, hältst dich am Rand fest und kippst das Boot nur mit der Hüfte hin und her, ohne die Arme zu benutzen. Das ist die ganze Rolle, nur ohne Wasser im Gesicht.
- Hüftknick am Bug eines Partnerboots. Dasselbe, aber ohne festen Rand. Jetzt merkst du, wie wenig Halt du wirklich brauchst.
- Rolle mit Hilfe. Ein Partner gibt die Hand oder hält das Paddel, du machst den Ablauf vollständig durch. Hier wird der Kopf erzogen.
- Rolle mit verlängertem Griff. Du greifst weit außen, fast am Blattende. Das gibt viel Hebel und verzeiht viel. Diese Form heißt Pawlata-Rolle und ist seit fast hundert Jahren die Lernstufe vor der freien Rolle.
- Freie Rolle. Normaler Griff, beide Seiten. Wer nur eine Seite kann, kann die Rolle nur zur Hälfte.
Rollkurse laufen im Hallenbad, und die Hallenzeiten der Vereine beginnen im Oktober. Warmes Wasser, Boden unter den Füßen, jemand, der zusieht. Wer im Frühjahr auf dem Fluss anfangen will, lernt meistens nur, dass kaltes Wasser in der Nase wehtut. Wo du einen Kurs findest, steht in Wo kann ich Kajakfahren lernen, Vereine in deiner Umgebung findest du über den Kanuverein in deiner Nähe und über unser Branchenbuch.
Was an Ausrüstung hilft
Für die Rolle brauchst du kein Spezialboot, aber vier Dinge machen den Unterschied zwischen Üben und Quälen.
- Ein Boot, das dich hält. Schenkelstützen und eine passende Fußstütze sind Pflicht. Ein Sitz, in dem du rutschst, kostet dich den Hüftknick.
- Eine Spritzdecke, die hält und sich lösen lässt. Sie hält das Wasser draußen, und der Griff vorn muss mit einer Hand erreichbar sein. Mehr dazu auf unserer Seite zu Spritzdecken von Palm.
- Nasenklammer oder Taucherbrille. Klingt albern, hilft enorm. Wasser in der Nase ist der Hauptgrund, warum Anfänger den Kopf heben.
- Eine Weste, die nicht im Weg ist. Beim Rollen soll die Schwimmweste dicht am Körper sitzen und nicht über die Schultern nach oben wandern.
Wer im kalten Wasser übt, braucht zusätzlich Kälteschutz am Kopf. Eine Neoprenhaube verhindert das Stechen in den Ohren, und sie ist der Grund, warum manche im Winter überhaupt weiterüben. Alles Weitere zum Paddeln bei Kälte steht in 10 Tipps zum Paddeln im Winter.
Ein Hinweis zum Boot: Im aufblasbaren Kajak ist die Rolle schwierig bis unmöglich. Luftboote sind breit, haben viel Auftrieb und selten Schenkelstützen. Für die Rolle brauchst du ein Hartschalenkajak mit Sitzluke.
Woher die Rolle kommt
Die Technik ist an der arktischen Küste entstanden, und sie war kein Sport, sondern Überlebensfrage. Wer dort kenterte, hatte in eiskaltem Wasser kaum eine Chance, schwimmend zurück ins Boot zu kommen. Also lernte man, im Boot zu bleiben.
Nach Europa kam die Rolle über einen Wiener. Der Faltbootfahrer Edi Hans Pawlata zeigte sie am 30. Juli 1927 am Weissensee öffentlich und gilt seither als erster Europäer, der sie beherrschte. Ein Jahr später veröffentlichte er ein Lehrbuch dazu, Titel: „Kipp, Kipp, Hurra!“. Der Griff, den er dafür nutzte, weit außen am Blatt, trägt heute seinen Namen und steht in jedem Kurs als Lernstufe auf dem Plan.
Welche Rollformen es gibt
Die Lehrbücher unterscheiden ein halbes Dutzend Formen. Für den Anfang spielt das keine Rolle, später schon, weil sich manche Formen in bestimmten Lagen von selbst anbieten.
- Rolle in Vorlage und Bogenschlagrolle: die üblichen Lehrformen.
- Hangrolle und Sweep Roll: fließender, mit langem Paddelbogen.
- Rückwärtsrolle: wenn du nach hinten liegend kenterst.
- Steyr Roll: eine Form für den Kanadier mit Stechpaddel.
- Handrolle: ohne Paddel, nur mit den Händen. Im Kanu-Freestyle gehört sie zum Repertoire.
Die Griffe und Blattformen, die dabei eine Rolle spielen, erklären wir in Welches Paddel ist das richtige für mich. Wie der Vorwärtsschlag und die Steuerschläge aussehen, steht in Die richtige Paddeltechnik im Kajak.
Brauchst du die Rolle überhaupt?
Ehrliche Antwort: Für eine Tagestour auf einem ruhigen See oder einem langsamen Fluss nicht zwingend. Dort kommst du mit Ausstieg, Schwimmen und Wiedereinstieg zurecht, vorausgesetzt du hast das geübt und bist nicht allein unterwegs.
Pflicht wird die Rolle in drei Fällen. Im Wildwasser, weil Schwimmen zwischen Steinen gefährlicher ist als Rollen. Auf dem Meer, weil ein Wiedereinstieg in der Dünung ohne Hilfe schwer ist. Und im Wettkampf, also im Kanu-Slalom, im Kanu-Polo und im Freestyle, wo gekentert und weitergefahren wird, als wäre nichts gewesen.
Es gibt noch einen vierten Grund, der nichts mit Sicherheit zu tun hat. Wer die Rolle kann, paddelt anders. Die Angst vor dem Kentern fällt weg, und damit fällt die Verspannung weg, die bei den meisten Einsteigern jeden Schlag kostet.
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Heißt es jetzt Kenterrolle statt Eskimorolle?
Wie lange braucht man, um die Eskimorolle zu lernen?
Kann man die Rolle ohne Kurs lernen?
Geht die Eskimorolle auch im Kanadier?
Braucht man eine Nasenklammer?
Funktioniert die Rolle im aufblasbaren Kajak?
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