Weltcup-Finale in La Seu d’Urgell: Kein deutsches Boot in den Slalom-Finals
Das Wichtigste in Kürze
- Kein Finale: In keiner der vier Einzelklassen stand ein deutsches Boot unter den zwölf Finalisten, weder im Kajak noch im Canadier.
- Bestes Ergebnis: Sideris Tasiadis wurde im Canadier-Einer 18. Er blieb ohne Strafsekunden, auf den letzten Finalplatz fehlten ihm 2,52 Sekunden.
- Folgen für Olympia: Ricarda Funk, Noah Hegge, Andrea Herzog und Sideris Tasiadis haben in der Qualifikation für Los Angeles 2028 nun je zwei Streichergebnisse.
- Versöhnlicher Abschluss: Im Kajak-Cross am Sonntag wurde Funk Gesamtweltcup-Zweite.
Zwei Wettkampftage, zwölf deutsche Starts und am Ende kein einziger Finallauf. Das Weltcup-Finale im spanischen La Seu d’Urgell ist für den Deutschen Kanu-Verband bisher ernüchternd verlaufen. Am Freitag blieben die Kajak-Finals ohne deutsche Beteiligung, am Samstag die Canadier-Finals.
Dabei war die Ausgangslage vor dem Saisonabschluss vielversprechend, wie wir im Vorbericht mit Zeitplan und Aufgebot beschrieben haben. Auf der Olympiastrecke von 1992 lief dann vieles nicht nach Plan.
Kajak: Funk verliert im Halbfinale die Linie
Am meisten hatte man sich von Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach) erhofft, und der Vorlauf gab dafür auch Anlass. Die 34-Jährige fuhr dort auf Platz drei. Im Halbfinale verlor sie jedoch komplett die Linie und landete am Ende auf Platz 24 im 30 Boote starken Feld.
Auch für ihre Teamkolleginnen war im Halbfinale Schluss. Annkatrin Plochmann (SGV Nürnberg-Fürth) wurde 21. Ihr Lauf war etwas zäh, die 25-Jährige verlor Zehntel um Zehntel. Emily Apel (KS Augsburg) belegte Rang 29. An der reinen Fahrzeit lag es bei der 23-Jährigen nicht. Sie kämpfte sich aber von oben bis unten durch den Stangenparcours, fand keine saubere Linie durch das wilde Wasser und kassierte 56 Strafsekunden.
Herren: Hengst als einziger im Halbfinale
Stefan Hengst (KR Hamm) war der einzige deutsche Kajakfahrer im Halbfinale. Mit Rang 26 verpasste der 32-Jährige den Endlauf der besten Zwölf aber deutlich, weil er seine Zeit aus dem Vorlauf kaum unterbieten konnte.
Noah Hegge (KS Augsburg) hatte das Halbfinale als 32. des Vorlaufs knapp verpasst, nur die besten 30 kamen weiter. Nachwuchshoffnung Christian Stanzel (Augsburger KV) schied als 66. von 81 Startern im Vorlauf aus.
Canadier: Tasiadis am nächsten dran
Im Canadier-Einer sah es einen Tag später kaum besser aus. Bei den Damen und bei den Herren schieden jeweils zwei der drei deutschen Boote bereits im Vorlauf aus.
Das beste deutsche Ergebnis in Kajak und Canadier lieferte Sideris Tasiadis (KS Augsburg) mit Platz 18. Der 36-Jährige blieb im Halbfinale ohne Strafsekunden, war aber langsamer als im Vorlauf. Für den Finaleinzug hätte er sich steigern müssen. So fehlten ihm 2,52 Sekunden auf den letzten Finalplatz.
Krech lange auf gutem Kurs
Lucie Krech (Leipziger KC) war die einzige deutsche Halbfinalistin und damit beste Canadierfahrerin des Teams. Die 22-Jährige zeigte lange einen guten Lauf, bis sie nach Tor 19 ihre Linie verlor. Die Tore 21 und 22 kamen nicht mehr ohne Berührung, Tor 23 konnte sie nicht vollständig befahren. Das kostete 50 Strafsekunden und am Ende Rang 29. Für die Zukunft machen ihre Leistungen trotzdem Hoffnung.
Ihre Clubkameradinnen erwischten keinen guten Tag. Andrea Herzog, die 2019 ausgerechnet in La Seu ihren ersten Weltmeistertitel gefeiert hatte, verlor schon bis zur ersten Zwischenzeit viel Zeit, dazu kamen zwei Torstabberührungen. Die 26-Jährige kämpfte den ganzen Lauf gegen das Wasser und schied als 34. aus. Nele Bayn kam etwas besser in ihren Lauf, kenterte dann aber und verpasste dadurch fünf Tore. Sie wurde 51.
Bei den Herren schieden Timo Trummer (KV Zeitz) als 38. und Lennard Tuchscherer (Leipziger KC) als 40. im Vorlauf aus. Tuchscherer war sehr gut gestartet und bekam erst im mittleren Streckenabschnitt größere Probleme. Bei Trummer misslang schon der Start, danach ließ er auf der ganzen Strecke Zeit liegen.
Alle deutschen Ergebnisse im Überblick
| Platz | Name | Verein | Klasse | Aus in |
|---|---|---|---|---|
| 18. | Sideris Tasiadis | KS Augsburg | C1 Herren | Halbfinale |
| 21. | Annkatrin Plochmann | SGV Nürnberg-Fürth | K1 Damen | Halbfinale |
| 24. | Ricarda Funk | KSV Bad Kreuznach | K1 Damen | Halbfinale |
| 26. | Stefan Hengst | KR Hamm | K1 Herren | Halbfinale |
| 29. | Emily Apel | KS Augsburg | K1 Damen | Halbfinale |
| 29. | Lucie Krech | Leipziger KC | C1 Damen | Halbfinale |
| 32. | Noah Hegge | KS Augsburg | K1 Herren | Vorlauf |
| 34. | Andrea Herzog | Leipziger KC | C1 Damen | Vorlauf |
| 38. | Timo Trummer | KV Zeitz | C1 Herren | Vorlauf |
| 40. | Lennard Tuchscherer | Leipziger KC | C1 Herren | Vorlauf |
| 51. | Nele Bayn | Leipziger KC | C1 Damen | Vorlauf |
| 66. | Christian Stanzel | Augsburger KV | K1 Herren | Vorlauf |
Was die Streichergebnisse für Olympia bedeuten
Das Weltcup-Finale zählt zugleich für die Quotenplätze der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. In die Wertung gehen fünf von neun festgelegten Wettkämpfen ein. Wer über die ganze Strecke gut ist, kann sich also vier schwache Rennen leisten, die gestrichen werden.
Genau davon haben die vier Athleten, auf die der DKV die größten Hoffnungen setzt, jetzt schon zwei verbraucht. Im Kajak sind das Ricarda Funk und Noah Hegge, im Canadier Andrea Herzog und Sideris Tasiadis. Drei Wertungsrennen sind vorbei, die übrigen sechs folgen in der nächsten Saison. Viel Spielraum für weitere Ausrutscher bleibt damit nicht.
Pro Land und Disziplin gibt es nur einen Quotenplatz. Wie das neue Verfahren aufgebaut ist, erklären wir in unserem Beitrag Road to LA 2028.
Sonntag: Funk wird Gesamtzweite im Kajak-Cross
Versöhnlich endete das Wochenende dann doch noch. Im Kajak-Cross am Sonntag schied Ricarda Funk zwar im Halbfinale aus und wurde Fünfte. In der Gesamtwertung reichte es aber für Platz zwei, punktgleich mit der Britin Kimberley Woods und nur drei Punkte hinter der Französin Camille Prigent, obwohl Funk einen Weltcup ausgelassen hatte.
Wie ihr Renntag über den Hoffnungslauf lief, wie sich Marten Konrad bis ins Halbfinale kämpfte und was Cheftrainer Thomas Apel zu den Olympia-Quotenplätzen sagt, steht in unserem Bericht zum Kajak-Cross.
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Wie viele Boote kommen im Kanuslalom ins Finale?
Wer war der beste Deutsche beim Weltcup-Finale?
Was ist ein Streichergebnis in der Olympia-Qualifikation?
Wie ging der Kajak-Cross in La Seu aus?
Wie siehst du das?
Ausrutscher zum Saisonende oder ein Warnsignal mit Blick auf Los Angeles? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.
Alles rund um die Sportart, von den Regeln bis zu den wichtigsten Rennen, findest du auf unserer Seite zum Kanu-Slalom.
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Hallo, habe eine Frage 🙂 Es gibt doch 9 Wettkämpfe, die zur Olympiaquali zählen und davon werden 5 pro Athlet gewertet. Warum sind dann die letzten Rennen schon auf jeden Fall 2 Streichergebnisse jeweils? Es gibt ja auch für Platz 25 z.B. Punkte. Also klar ist die Hoffnung, dass die übrigen Punkte Ergebnisse alle besser sind, aber muss ja nicht. Oder habe ich das System nicht ganz verstanden? Danke 🙂
Hi Felix, Danke dir für deine Frage und das genaue Nachhaken – das Qualifikationssystem wirkt auf den ersten Blick tatsächlich etwas knifflig. Du hast völlig recht mit deiner Grundannahme: Bei 9 Rennen fließen die besten 5 in die Wertung ein. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass im Laufe der gesamten Serie 4 Ergebnisse gestrichen werden (9 minus 5 = 4).Dass die letzten beiden Rennen für einen Athleten bereits sicher als Streichergebnisse feststehen, liegt an der mathematischen Ausgangslage vor diesen Läufen: -Die Hürde der Top 5: Hat ein Athlet in den bisherigen Rennen bereits 5 starke Platzierungen eingefahren, bestimmt das schlechteste dieser 5 Ergebnisse die Minimalpunktzahl, die übertroffen werden muss.Keine Steigerung mehr möglich: Wenn die maximal erreichbare Punktzahl in den verbleibenden zwei Rennen niedriger ist als dieses bisher schlechteste Top-5-Ergebnis, kann der Athlet sein Gesamtergebnis gar nicht mehr verbessern. Automatische Streichung: Selbst wenn der Athlet ins Ziel kommt und Punkte (wie etwa für Platz 25) sammelt, sind diese Punkte niedriger als seine bisherigen 5 besten Wertungen. Die beiden neuen Ergebnisse gehören damit automatisch zu den 4 erlaubten Streichergebnissen.Es liegt also nicht daran, dass es keine Punkte gäbe, sondern daran, dass diese Punkte das bestehende Punktepolster aus den besten 5 Rennen nicht mehr aufstocken können. Hoffe, das bringt etwas Licht ins Dunkel! Melde dich gerne, wenn du noch Fragen zur Quali hast.