Kanu: Das Paddelboot einfach erklärt
Ein Kanu ist ein Paddelboot, das du in Blickrichtung mit einem frei geführten Paddel bewegst. Kanu ist der Oberbegriff für zwei große Bootsfamilien: das Kajak, gepaddelt mit einem Doppelpaddel, und den offenen Kanadier mit Stechpaddel. Im Alltag meinen viele mit „Kanu“ allerdings einfach den Kanadier.
Das Wichtigste in Kürze
- Kanu ist der Oberbegriff: Darunter stehen das Kajak mit Doppelpaddel und der Kanadier mit Stechpaddel.
- Kein Ruderboot: Im Kanu schaust du in Fahrtrichtung und hältst das Paddel frei in der Hand.
- Der Einstieg ist leicht: Beim Kanuverleih bekommst du Boot, Paddel und Schwimmweste. Schwimmen können musst du.
- Paddeln hält fit: Es trainiert Ausdauer, Rumpf und Koordination und bringt dich mitten in die Natur.
Was ist ein Kanu?
Ein Kanu ist ein Boot, das mit Paddeln in Blickrichtung bewegt wird. Genau darin unterscheidet es sich vom Ruderboot: Dort sitzt du mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, und die Ruder sind in Halterungen am Boot gelagert. Im Kanu hältst du das Paddel frei in den Händen und siehst, wohin du fährst. Deshalb spricht man auch einfach vom Paddelboot.
Wer Kanu fährt, heißt Kanute oder schlicht Paddler. Unter dem Oberbegriff Kanu stehen zwei große Familien: das Kajak und der Kanadier. Im Alltag hat sich allerdings eingebürgert, mit „Kanu“ den offenen Kanadier zu meinen. Wer beim Verleih ein Kanu bucht, bekommt deshalb meist einen Kanadier.
Woher das Wort kommt
Das Wort stammt ursprünglich aus einer Sprache der Karibik und kam über das spanische „canoa“ ins Englische. „Kanu“ ist die eingedeutschte Form von „canoe“. Ende des 19. Jahrhunderts waren viele britische Paddler auf den Flüssen des Kontinents unterwegs und brachten den Begriff mit. Der Alster-Canoe-Club in Hamburg, gegründet 1905, ist der älteste noch bestehende Kanuverein Deutschlands und trägt die alte Schreibweise bis heute im Namen.
Welche Kanus gibt es?
Die zwei großen Kanufamilien erkennst du an Paddel, Sitz und Bauweise. Die Grafik oben zeigt, welche Bauformen zu welcher Familie gehören. Hier der schnelle Vergleich:
| Merkmal | Kajak | Kanadier |
|---|---|---|
| Paddel | Doppelpaddel, links und rechts im Wechsel | Stechpaddel mit einem Blatt, meist auf einer Seite |
| Sitz | Tief am Bootsboden, Beine nach vorn | Auf einer Bank oder kniend |
| Bauweise | Meist geschlossen, mit Sitzluke | Meist offen, viel Platz für Gepäck |
| Typisch für | Allein oder zu zweit, sportlich, Wind und Wellen | Familie, Gepäck, gemütliche Wanderfahrten |
Alles über Aufbau, Bauformen und Material erklären unsere Grundkurse zum Kajak und zum Kanadier. Den ausführlichen Vergleich findest du in Kanu, Kajak, Kanadier: Das ist der Unterschied.
Hartschale, aufblasbar oder Faltboot
Quer durch beide Familien gibt es drei Bauarten. Hartschalenboote aus Kunststoff, Glasfaser oder Carbon fahren am besten, brauchen aber Dachträger und Lagerplatz. Aufblasbare Kanus passen zusammengelegt in den Kofferraum. Faltboote bestehen aus einem Gerüst und einer Bootshaut und reisen in Taschen, sogar im Flugzeug. Einen Vergleich der Materialien mit Grafik findest du im Kajak-Grundkurs.
Im Kanu-Slalom, im Wildwasserrennsport und im Freestyle haben auch Canadier oft ein geschlossenes Deck. Du erkennst sie trotzdem: Die Athleten knien und paddeln mit einem Stechpaddel.
Wie sieht ein Kanu aus?
Ein Kanadier ist ein offenes, vorn und hinten hochgezogenes Boot mit Sitzbänken quer zur Fahrtrichtung. Ein Kajak ist schmaler, liegt tiefer im Wasser und ist bis auf die Sitzluke meist geschlossen. Beide laufen an Bug und Heck spitz zu, damit sie leicht durchs Wasser gleiten.
Wie lang ist ein Kanu?
Ein Wanderkanadier, wie du ihn beim Verleih bekommst, ist meist 4,5 bis 5,5 Meter lang und rund 80 bis 95 Zentimeter breit. Bei Kajaks reicht die Spanne von knapp 2 Metern im Wildwasser bis über 6 Meter beim Surfski. Die typischen Maße aller Kajaks zeigt die Übersicht im Kajak-Grundkurs.
Wie viele Personen passen in ein Kanu?
Kajaks gibt es für eine oder zwei Personen. Ein Wanderkanadier bietet meist Platz für zwei Erwachsene, oft mit einem dritten Sitz für ein Kind. Größere Kanadier nehmen bis zu vier Erwachsene auf. Entscheidend ist immer die Zuladung, die der Hersteller angibt: das höchste Gewicht, mit dem das Boot sicher fährt. Gepäck zählt dabei mit.
Kanu fahren: So gelingt der Einstieg
Kanu fahren ist schnell gelernt und braucht keinen Führerschein. Mit ein paar Grundregeln wird schon die erste Tour entspannt.
- Ausprobieren. Bei einem Kanuverleih in deiner Nähe bekommst du Boot, Paddel und Schwimmweste, oft mit einer kurzen Einweisung. So findest du heraus, ob dir Kajak oder Kanadier mehr liegt.
- Schwimmweste an. Immer, auch auf dem ruhigen See. Und: Schwimmen können ist die Grundvoraussetzung. Welche Weste passt, zeigt unser Überblick zur Schwimmweste.
- Richtig einsteigen. Steig vom Steg oder Ufer aus in die Mitte des Bootes, halte dein Gewicht tief und stütze dich mit einer Hand am Bootsrand ab. Erst setzen, dann das Paddel nehmen.
- Zusammen paddeln. Im Zweier gibt die vordere Person den Takt vor, die hintere steuert. Am besten sitzt die erfahrenere Person hinten.
- Regeln kennen. Nicht auf jedem Gewässer ist Paddeln erlaubt, manche sind zeitweise gesperrt. Was gilt, steht in Wo darf ich Kanu fahren?. Prüf vor der Tour auch Wetter und Wasserstand.
Wie lenkt man ein Kanu?
Gelenkt wird mit dem Paddel. Im Kanadier steuert die Person hinten: Mit einem Steuerschlag, bei dem das Blatt am Ende des Zuges gedreht und kurz vom Boot weggedrückt wird, hält sie das Boot auf Kurs. Für engere Kurven zieht sie das Paddel in einem weiten Bogen vom Bug zum Heck. Im Kajak lenkst du mit genau diesem Bogenschlag auf der Seite, von der du wegwillst. Viele Touren- und Seekajaks haben zusätzlich ein Steuer, das du mit den Füßen bedienst.
Was ziehe ich im Kanu an?
Kleidung, die nass werden darf und dir Bewegungsfreiheit lässt, im Sommer mit Sonnenschutz. An den Füßen tragen sich Wasserschuhe oder Sandalen mit Fersenriemen, in kühleren Monaten Neoprenschuhe. Und pack immer Wechselkleidung in einen wasserdichten Beutel.
Reviere für die erste Tour
Ideal für den Anfang sind ruhige Flüsse mit leichter Strömung und guter Infrastruktur, etwa der Spreewald oder das Altmühltal. Plane die erste Tour kurz, paddle mit der Strömung und bau genug Pausen ein.
Warum Kanufahren so gut tut
Paddeln ist ein Ganzkörpersport. Die Kraft kommt nicht nur aus den Armen, sondern vor allem aus Rumpf und Rücken, im Kajak arbeiten sogar die Beine mit. Dazu kommt, was keine Halle bieten kann: Wasser, Ruhe und Natur.
- Trainiert Herz, Kreislauf und Ausdauer
- Kräftigt Rumpf, Rücken, Schultern und Arme
- Verbessert Koordination und Gleichgewicht
- Ist gelenkschonend, weil keine Stöße auftreten
- Baut Stress ab und bringt dich raus in die Natur
Und Paddeln ist ein echter Sport: Im Deutschen Kanu-Verband sind Kanurennsport, Slalom, Kanu-Polo und viele weitere Disziplinen organisiert, einige davon olympisch. Mehr dazu weiter unten.
Kanu leihen oder kaufen?
Für die ersten Touren ist Leihen die beste Wahl. Du probierst verschiedene Boote aus, brauchst keinen Dachträger und keinen Lagerplatz, und die Verleiher kennen ihr Revier. Einen Verleih findest du in unserer Übersicht zum Kanuverleih und in unserem Branchenbuch für Paddler.
Wer regelmäßig paddelt, für den lohnt sich irgendwann ein eigenes Boot. Unser Kaufberater Kanu kaufen hilft dir bei der Entscheidung. Diese Fragen grenzen die Auswahl schnell ein:
- Auf welchem Gewässer willst du paddeln: See, Fluss oder Meer?
- Allein, zu zweit oder mit der Familie?
- Gelegentlich im Sommer oder regelmäßig bei jedem Wetter?
- Wie transportierst und lagerst du das Boot?
- Neu oder gebraucht, und wie groß ist dein Budget?
Wenn wir von Kanus sprechen, meinen wir nicht die Boote vom Discounter. Ein gutes Kanu bekommst du im Fachhandel, und dort bekommst du auch eine Beratung, die zu deinem Revier passt.
Wanderkanadier, aufblasbare Kanus und Zubehör findest du hier:
- Kanadier bei Sport Schröer
- Kanadier bei Denk Outdoor
- Kanadier bei Globetrotter
- Kanu-Ausrüstung bei Decathlon
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Kanusport: mehr als Paddeln
Unter dem Dach des Kanusports stehen viele Disziplinen, vom Sprint auf der Regattastrecke bis zum Ballspiel im Boot. Olympisch ist der Kanusport seit 1936 in Berlin.
Sprint auf glattem Wasser in Kajak und Canadier, olympisch.
Durch Tore auf der Wildwasserstrecke, dazu der neue Kajak-Cross.
Mannschaftssport im Kajak mit Ball und zwei Toren über dem Wasser.
Bis zu zwanzig Paddler im Takt der Trommel.
Das Auslegerkanu aus dem Pazifik, auf dem Meer zu Hause.
Lange, offene Kajaks für das Surfen auf der Dünung.
Stehend auf dem Board, als Freizeitsport und im Wettkampf.
Langstrecke über viele Kilometer, oft mit Umtragestellen, an denen die Boote an Land getragen werden.
Kurze Geschichte des Kanus
Paddelboote gehören zu den ältesten Verkehrsmitteln der Menschheit. Als ältestes erhaltenes Boot gilt der Einbaum von Pesse aus den Niederlanden, ein ausgehöhlter Kiefernstamm, der mehrere Tausend Jahre alt ist. Die direkten Vorfahren der heutigen Kanus sind aber andere: die Kajaks der Inuit aus Holz, Knochen und Tierhaut und die Rindenkanus der indigenen Völker Nordamerikas, aus denen der Kanadier hervorging.
Im 19. Jahrhundert kam das Paddeln als Sport nach Europa, getragen von britischen Paddlern. 1905 wurde in Hamburg der Alster-Canoe-Club gegründet, der älteste noch bestehende Kanuverein Deutschlands. 1936 war der Kanurennsport bei den Olympischen Spielen in Berlin erstmals mit Medaillen dabei, auf der Regattastrecke in Grünau.
Häufige Fragen zum Kanu
Ist ein Kanu ein Boot?
Was ist der Unterschied zwischen Kanu und Kajak?
Was ist ein Kanute?
Braucht man einen Führerschein fürs Kanu?
Kann ich Kanu fahren, ohne schwimmen zu können?
Wie schwer ist ein Kanu?
Wer lenkt im Zweierkanu?
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