Kajak oder Kanadier: was passt für den Einstieg?
Die Frage kommt meist am Verleih, zehn Minuten vor der ersten Tour, und sie wird dann nach Aussehen entschieden. Dabei gibt es eine ziemlich klare Antwort, und sie hängt nicht am Boot, sondern an dir: Wie viele seid ihr, und was willst du auf dem Wasser?
Dieser Beitrag beantwortet die Entscheidung. Was die beiden Bootsarten überhaupt sind und wie sie sich von einem Kanu unterscheiden, steht im Beitrag Kanu, Kajak, Kanadier: Das ist der Unterschied.
Das Wichtigste in Kürze
- Allein unterwegs: Kajak. Das Doppelpaddel hält von selbst die Richtung, die ersten Meter gelingen fast immer.
- Mit Familie, Kind oder Hund: Kanadier. Das offene Boot hat Platz, und man kann sich unterhalten.
- Technisch leichter ist das Kajak. Im Kanadier geradeaus zu fahren ist eine Fertigkeit, die man lernt.
- Schneller ist das Kajak. Vier bis sechs Kilometer in der Stunde gemütlich, und weniger Angriffsfläche für Wind.
- Gepäck nehmen beide. Der Kanadier mehr und unhandlicher, das Tourenkajak trockener.
- Die beste Entscheidung ist geliehen. Zwei Nachmittage im Verleih beantworten die Frage besser als jeder Text.
Die Entscheidung in acht Zeilen
Suche die Zeile, die am ehesten auf dich zutrifft. Wenn mehrere passen, zählt die, die dir am wichtigsten ist.
| Deine Lage | Passt | Warum |
|---|---|---|
| Du willst allein unterwegs sein | Kajak | Ein Einerkajak fährt sich allein leichter als ein Kanadier, der für zwei gebaut ist. |
| Ihr seid zwei und wollt reden | Kanadier | Man sitzt hintereinander im offenen Boot und kann sich unterhalten, ohne zu rufen. |
| Kinder sollen mit | Kanadier | Platz in der Mitte, niedriger Einstieg, und die Kinder können sich bewegen. |
| Der Hund soll mit | Kanadier | Die offene Fläche ist für einen Hund das Entscheidende. |
| Du willst zügig vorankommen | Kajak | Schmaler Rumpf und Doppelpaddel machen es schneller und weniger anfällig für Wind. |
| Mehrtagestour mit Gepäck | beides | Der Kanadier nimmt mehr und Unhandliches, das Tourenkajak packt trockener in Luken. |
| Du willst schnell Erfolg sehen | Kajak | Das Doppelpaddel hält von sich aus die Richtung. Die ersten Meter gelingen fast immer. |
| Dich reizt die Technik | Kanadier | Mit einem Stechpaddel geradeaus zu fahren ist eine Fertigkeit, die man lernt. |
Der eigentliche Unterschied ist das Paddel
Beim Boot fällt zuerst das Deck auf, das offene gegen das geschlossene. Für den Einstieg ist aber etwas anderes entscheidend: das Paddel in deinen Händen.
Im Kajak hast du ein Doppelpaddel, also ein Blatt an jedem Ende. Du paddelst abwechselnd links und rechts, und dadurch korrigiert sich die Richtung von selbst. Deshalb kommt fast jeder beim ersten Versuch geradeaus. Dass es sich leicht anfühlt, liegt nicht am Boot, sondern an dieser Mechanik.
Im Kanadier hast du ein Stechpaddel mit einem Blatt. Jeder Schlag auf einer Seite dreht das Boot zur anderen, und du musst gegenhalten. Dafür gibt es Schläge, die genau das tun, aber sie müssen gelernt werden. In der ersten halben Stunde fährt man deshalb oft im Zickzack, und wer das nicht erwartet, hält es für sein eigenes Unvermögen.
Das ist kein Argument gegen den Kanadier. Es ist nur der Grund, warum der Einstieg ins Kajak schneller belohnt. Wer eine Tour mit Erfolgserlebnis will, nimmt das Kajak. Wer eine Fertigkeit lernen will, nimmt den Kanadier und freut sich an dem Tag, an dem es klappt.
Wie viele seid ihr?
Das ist die Frage, die am meisten entscheidet, und sie wird am häufigsten übersehen.
Allein. Ein Einerkajak ist dafür gebaut. Ein Kanadier dagegen ist meist ein Zweier, und allein darin zu fahren verlangt eine eigene Technik: Man sitzt oder kniet in der Mitte und kantet das Boot leicht an, damit es die Spur hält. Ohne diese Technik dreht man sich im Wind.
Zu zweit. Hier wird es interessant. Zwei Kajaks sind zwei Boote, zwei Paddel, zweimal Transport, und man ruft sich Sätze über zehn Meter Wasser zu. Ein Kanadier ist ein Boot, in dem man hintereinander sitzt und sich normal unterhält. Viele Paare entscheiden sich deshalb für den Kanadier, obwohl das Kajak technisch leichter wäre.
Mit Kindern. Der Kanadier, deutlich. Die Mitte bietet Platz, der Einstieg ist niedrig, und ein Kind kann sitzen, aufstehen und mitpaddeln, wenn es mag. In zwei Kajaks wäre dieselbe Familie verteilt und niemand könnte eine Pause machen.
Mit Hund. Auch Kanadier, und zwar aus demselben Grund: die durchgehende Fläche. Was dabei sonst zu beachten ist, steht im Beitrag Mit dem Hund im Kanu und Kajak.
Tempo, Wind und Gepäck
Ein Wanderkajak fährt gemütlich gepaddelt vier bis sechs Kilometer in der Stunde, ein Seekajak fünf bis sieben. Ein Kanadier liegt eher am unteren Ende dieser Spanne. Auf einer Tagestour fällt der Unterschied weniger ins Gewicht als gedacht, denn gebremst wird man ohnehin von Pausen, Umtragestellen und Gegenwind.
Beim Wind ist der Unterschied größer. Ein Kanadier steht höher aus dem Wasser und bietet mehr Fläche. Auf einem offenen See mit Seitenwind merkt man das sofort, und man paddelt dann mehr gegen den Wind als vorwärts. Ein flach liegendes Kajak nimmt denselben Wind deutlich gelassener.
Gepäck nehmen beide, nur anders. Im Kanadier liegt es offen in der Mitte, auch sperrige Dinge wie eine Kühlbox oder ein Faltstuhl. Im Tourenkajak verschwindet es in den Luken, dort bleibt es trocken, muss aber durch eine runde Öffnung passen.
Erst leihen, dann entscheiden
Die beste Antwort auf diese Frage kostet zwei Nachmittage. Eine Kanu-Station verleiht tageweise, ein Kanu-Club stellt seinen Mitgliedern Boote und bietet Einsteigerkurse. Nimm an einem Tag ein Kajak und an einem anderen einen Kanadier, möglichst auf demselben Gewässer, und die Frage ist beantwortet.
Erst danach lohnt der Blick auf den Kauf. Welche Fragen dort wichtiger sind als der Preis, steht im Beitrag Welches Kanu sollte ich kaufen?, und wenn es ein Kajak wird, hilft Welche Kajakgröße ist die richtige für mich? bei den Maßen. Womit zu rechnen ist, erklärt Was kostet ein Kanu, ein Kajak oder ein SUP?.
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Was ist für Anfänger einfacher, Kajak oder Kanadier?
Was ist besser für eine Familie?
Ist ein Kajak schneller als ein Kanadier?
Kann ich einen Kanadier auch allein fahren?
Welches Boot soll ich zuerst leihen?
Alle Antworten an einem Ort. Dieser Beitrag ist Teil unseres Paddel-Ratgeber. Dort liegen die Antworten nach Themen sortiert, von der Bootswahl über die Technik bis zur Pflege.
