Mit dem Hund im Kanu und Kajak
Ein Hund im Boot ist eine der schönsten Arten, eine Tour zu paddeln, und eine der schnellsten, sie zu beenden. Der Unterschied liegt nicht am Hund, sondern an der Vorbereitung und an der Wahl des Bootes.
Das Wichtigste vorweg, weil es Leben retten kann: Die Leine wird niemals am Boot befestigt. Bei einer Kenterung verfängt sich der Hund darin und kommt unter dem Boot nicht los. Alles andere in diesem Beitrag ist eine Frage von Komfort. Dieser Punkt ist eine Frage von Sicherheit.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Kanadier ist das Hundeboot. Offen, geräumig, niedriger Einstieg und eine ruhige Lage.
- Die Leine nie am Boot. Sie bleibt lose im Boot oder an dir.
- Weste mit Haltegriff. Nicht weil der Hund nicht schwimmen kann, sondern weil du ihn sonst nicht zurück ins Boot bekommst.
- Üben an Land. Erst wenn der Hund im Boot auf dem Rasen entspannt liegt, geht es aufs Wasser.
- Die erste Tour ist kurz. Sie endet, bevor der Hund unruhig wird, nicht danach.
- Abstand zum Schilf. In der Brutzeit ist ein Hund an der Uferkante ein Problem für Wasservögel.
Warum der Kanadier gewinnt
Ein Hund braucht im Boot drei Dinge: eine Fläche, auf der er liegen kann, die Möglichkeit aufzustehen und sich zu drehen, und ein Boot, das dabei nicht wackelt. Genau das beschreibt einen Kanadier.
Der Kanadier
- Offenes Boot: Der Hund hat eine zusammenhängende Fläche und kann sich hinlegen, aufstehen und drehen.
- Niedriger Einstieg: Vom Ufer oder vom flachen Wasser aus geht es fast von selbst.
- Platz für Gepäck: Hundedecke, Wasser und Handtuch finden Platz, ohne dass etwas wegrutscht.
- Ruhige Lage: Ein breiter Kanadier reagiert gelassen, wenn sich der Hund bewegt.
Das Kajak
- Geschlossenes Deck: Vor dem Süllrand bleibt wenig Fläche, und der Hund liegt dort unbequem.
- Schwieriger Einstieg: Springen in ein Kajak geht selten gut aus, weder für den Hund noch für das Boot.
- Enge Lage: Ein schmales Boot quittiert jeden Positionswechsel des Hundes sofort.
- Ausnahme Sit-on-Top: Ein offenes Sit-on-Top oder ein breites Luftkajak kann funktionieren.
Das heißt nicht, dass ein Kajak unmöglich ist. Ein offenes Sit-on-Top oder ein breites Modell aus der Gruppe der aufblasbare Kajaks bietet durchaus Platz vor den Beinen, und kleine Hunde finden dort ihren Ort. Bei einem geschlossenen Wanderkajak mit Süllrand und Spritzdecke wird es dagegen schwierig, und zwar für beide.
Noch ein Wort zum aufblasbaren Boot: Die Krallenfrage stellt sich seltener als gedacht, weil moderne Bootshäute robust sind. Trotzdem gilt dort eine Decke oder Matte als Unterlage, und die Krallen werden vor der Tour gekürzt.
Üben, bevor es aufs Wasser geht
Der häufigste Fehler ist der Sprung ins kalte Wasser, im wörtlichen und im übertragenen Sinn: Boot ins Wasser, Hund hinein, los. Ein Hund, der das Boot nicht kennt, erlebt eine schwankende Fläche, aus der er nicht heraus kann, und das vergisst er nicht schnell.
Besser in drei Schritten.
An Land. Das Boot liegt auf dem Rasen oder dem Steg. Der Hund darf einsteigen, sich hinlegen, wieder aussteigen, mit Lob und ohne Zwang. Das wiederholt man an mehreren Tagen, bis er von selbst hineinsteigt und liegen bleibt.
Im flachen Wasser. Das Boot liegt knöcheltief am Ufer und bewegt sich leicht. Jetzt lernt der Hund, dass die Fläche schwankt und trotzdem trägt.
Die erste Tour. Zwanzig Minuten auf ruhigem Wasser, und zurück, bevor der Hund unruhig wird. Wer eine Stunde dranhängt, weil es gerade so gut läuft, verliert oft genau dort das Vertrauen, das er in den Wochen davor aufgebaut hat.
Ein- und Aussteigen
Das Boot liegt stabil, am besten parallel zum Ufer oder im flachen Wasser. Du sitzt oder stehst schon so, dass du das Boot halten kannst, und erst dann kommt der Hund. Ein Hund, der in ein unbesetztes Boot springt, schiebt es vom Ufer weg, und das Ergebnis kennt man.
Ein fester Platz hilft. Im Kanadier ist das meist die Fläche zwischen den Sitzen, direkt vor dir, damit du eingreifen kannst und der Hund dich sieht. Eine Decke oder Matte markiert diesen Platz, und sie ist gleichzeitig der Grund, warum er dort liegen bleibt: Sie ist trocken, sie riecht nach ihm und sie rutscht nicht.
Beim Aussteigen gilt dieselbe Reihenfolge rückwärts. Boot sichern, dann der Hund, dann du.
Die Hundeweste und ihr Griff
Die Frage, ob ein Hund eine Weste braucht, wird meist mit der Frage verwechselt, ob er schwimmen kann. Darum geht es nicht.
Eine gute Hundeweste tut drei Dinge. Sie hält den Kopf oben, wenn der Hund erschöpft oder erschrocken ist, auch nach längerer Zeit im Wasser. Sie macht ihn sichtbar, in kräftiger Farbe auch bei Wellen. Und sie hat einen Haltegriff auf dem Rücken, mit dem du ihn zurück ins Boot heben kannst.
Dieser Griff ist der eigentliche Grund für die Weste. Einen nassen Hund von vierzig Kilo über die Bordwand zu bekommen, ist ohne Griff fast unmöglich, und am Halsband zu ziehen ist keine Option. Beim Kauf ist deshalb die Verarbeitung des Griffs wichtiger als alles andere, denn er trägt das volle Gewicht. Worauf es bei Westen allgemein ankommt, steht auf unserer Seite Schwimmwesten im Vergleich.
Die Weste sitzt richtig, wenn sie am Brustkorb nicht verrutscht und die Vorderbeine frei bleiben. Probiere sie an Land und im flachen Wasser, bevor sie auf der Tour gebraucht wird.
Was zusätzlich an Bord gehört
Für den Hund kommt ein kleines eigenes Paket dazu.
Trinkwasser und eine faltbare Schale. Der wichtigste Punkt, und der am häufigsten vergessene. Ein Hund im Boot sitzt in der Sonne, auf einer Fläche, die Wärme hält, und er kann nicht einfach trinken gehen. Seewasser ist keine Lösung und Salzwasser schon gar nicht.
Eine Decke oder Matte. Sein Platz, seine Isolierung gegen den kalten Bootsboden, sein Schutz gegen Rutschen.
Ein Handtuch. Für den Hund und für das halbe Boot danach.
Schatten. Auf längeren Touren im Sommer ist das keine Nettigkeit. Ein hellerer Stoff über dem Liegeplatz wirkt mehr, als man denkt.
Die Leine, lose. Sie liegt im Boot oder hängt an dir, damit du am Ufer sofort anleinen kannst. Am Boot wird sie nicht befestigt.
Was sonst mit aufs Wasser muss, steht in der Packliste für die Kanutour.
Wenn der Hund ins Wasser geht
Das passiert, und meist absichtlich. Wichtig ist, was danach geschieht.
Halte das Boot stabil und fahre langsam zu ihm. Greife den Haltegriff der Weste und hebe ihn über die Bordwand, also über die Seite, nicht über Bug oder Heck. Beim Heben lehnst du dich nicht hinüber, sondern bleibst mit dem Gewicht in der Bootsmitte, sonst kentert ihr gemeinsam.
Wenn der Hund zu schwer dafür ist, und das ist er bei vielen Rassen, paddelt ihr zum nächsten flachen Ufer, und er steigt dort ein. Das ist kein Scheitern, sondern der normale Weg bei großen Hunden, und genau deshalb lohnt der Blick auf die Karte vor der Tour: Wo ist in den nächsten Kilometern ein flaches Ufer?
Rücksicht am Ufer
Paddeln mit Hund hat eine Seite, die über das eigene Boot hinausgeht. Die Uferzonen, an denen wir entlangfahren, sind Lebensraum, und das Schilf ist im Frühjahr und Sommer voller Nester.
Ein Hund, der an der Schilfkante ins Wasser springt oder bellt, wirkt dort anders als ein Boot, das vorbeifährt. Vögel verlassen das Nest, und bei Kälte oder Hitze reichen Minuten. Halte deshalb Abstand zur Uferkante, besonders zwischen März und Juli, und lass den Hund dort nicht ins Wasser.
In Naturschutzgebieten kommen feste Regeln dazu, bis zu Betretungsverboten und Leinenpflicht an Land. Was auf dem jeweiligen Gewässer gilt, hängt vom Bundesland und vom Abschnitt ab und steht in der örtlichen Verordnung.
Nach der Tour. Hundehaare, Sand und nasses Fell hinterlassen mehr im Boot als ein Tag ohne Hund. Spülen, trocknen und erst dann einpacken, sonst riecht es im Frühjahr. Wie es richtig geht, steht im Beitrag SUP und Kajak richtig lagern.
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☕ Jetzt Kanu zum Frühstück einen Kaffee spendieren ➞Häufige Fragen zum Hund im Boot
Welches Boot ist für einen Hund am besten geeignet?
Der offene Kanadier, mit deutlichem Abstand. Er hat eine durchgehende Fläche, auf der der Hund liegen und sich drehen kann, einen niedrigen Einstieg und eine ruhige Lage. Im geschlossenen Kajak bleibt vor dem Süllrand nur eine schmale Fläche, auf der kaum ein Hund eine ganze Tour verbringen mag.
Braucht ein Hund eine Schwimmweste?
Schwimmen können die meisten Hunde, aber darum geht es nicht. Eine Hundeweste hält den Kopf oben, wenn das Tier erschöpft oder erschrocken ist, sie macht den Hund im Wasser sichtbar, und vor allem hat sie einen Haltegriff auf dem Rücken. Mit diesem Griff kannst du einen nassen Hund überhaupt erst zurück ins Boot heben. Ohne ihn ist das bei einem mittelgroßen Hund kaum zu machen.
Darf ich die Leine am Boot festmachen?
Nein, und das ist der wichtigste Satz in diesem Beitrag. Eine am Boot befestigte Leine wird bei einer Kenterung zur Lebensgefahr, weil sich der Hund darin verfängt und unter dem Boot nicht loskommt. Die Leine bleibt lose im Boot oder an dir, niemals fest am Boot.
Wie gewöhne ich meinen Hund an das Boot?
An Land. Das Boot liegt auf dem Rasen, der Hund darf einsteigen, liegen, aussteigen, und das ein paar Mal an verschiedenen Tagen, mit viel Lob. Erst wenn er dort entspannt liegt, geht es ins flache Wasser am Ufer. Die erste echte Tour ist kurz und endet, bevor der Hund unruhig wird.
Was mache ich, wenn der Hund ins Wasser springt?
Ruhig bleiben und das Boot stabil halten. Fahre langsam zu ihm, greife den Haltegriff der Weste und hebe ihn über die Bordwand, nicht über Bug oder Heck. Wenn er zu schwer ist, paddelt ihr gemeinsam ans nächste flache Ufer und er steigt dort ein. Zieh nie an Halsband oder Fell.
Wo darf ich mit dem Hund paddeln?
Überall dort, wo Paddeln erlaubt ist, aber mit mehr Rücksicht als sonst. In Schutzgebieten und in der Brutzeit zwischen Frühjahr und Sommer ist ein freilaufender oder bellender Hund an Schilfkanten ein echtes Problem für Wasservögel. Halte Abstand zum Ufer und lass den Hund dort nicht ins Wasser.
Alle Antworten an einem Ort. Dieser Beitrag ist Teil unseres Paddel-Ratgeber. Welche Bootsart grundsätzlich zu welchem Einsatz passt, steht auf den Seiten zum Kanu und zum Kajak.
