Wie schnell ist ein Kajak?
Die ehrliche Antwort überrascht die meisten: Ein Kajak fährt etwa so schnell, wie ein Mensch zu Fuß geht. Vier bis sechs Kilometer in der Stunde sind auf einer normalen Tour die Regel, und das fühlt sich auf dem Wasser nach deutlich mehr an, weil das Ufer dicht an dir vorbeizieht.
Interessanter als die Zahl ist die Frage, woran sie hängt. Denn ein längeres Boot ist nicht zufällig schneller, sondern aus einem physikalischen Grund, und den kann man sich leicht merken.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier bis sechs Kilometer in der Stunde sind im Wanderkajak normal, im Seekajak fünf bis sieben.
- 15 bis 25 Kilometer am Tag sind eine entspannte Tour. Geübte kommen auf 30 bis 40.
- Die Länge entscheidet. Je länger die Wasserlinie, desto höher die Grenze, an der das Boot in seine eigene Bugwelle läuft.
- Bei fünf Metern liegt diese Grenze bei etwa zehn Kilometern in der Stunde. Darüber hinaus wird jeder Schlag teuer.
- Strömung und Wind zählen mehr als das Boot. Zwei Kilometer Strömung sind zwei Kilometer, geschenkt oder genommen.
- Pausen kosten mehr Zeit als Kilometer. Wer eine Tour plant, rechnet mit Unterbrechungen, nicht mit Tempo.
Tempo nach Bootsart
Die Werte sind Reisegeschwindigkeiten auf ruhigem Wasser, also was man über Stunden hält, nicht was kurz möglich ist.
| Bootsart | Reisetempo | Woran es liegt |
|---|---|---|
| Aufblasbares Kajak | 5 bis 6 km/h | Breiter Rumpf, mehr Widerstand. Das schmalste Modell einer Reihe kommt auf 6,2. |
| Wanderkajak | 4 bis 6 km/h | Gemütlich gepaddelt. Kurzzeitig sind 8 bis 10 möglich, aber nicht über Stunden. |
| Seekajak | 5 bis 7 km/h | Länger und schmaler, läuft besser geradeaus. Erfahrene erreichen über 10. |
| Kanadier | 5 bis 7 km/h | Am unteren Ende, und windanfälliger, weil er höher aus dem Wasser steht. |
| Renn- oder Racekajak | ab 10 km/h | Ein Trainingsboot fährt dauerhaft 10. Im Wettkampf über 200 Meter deutlich mehr. |
Auffällig ist, wie klein die Spanne zwischen den Tourenbooten ist. Zwischen einem einfachen Luftboot und einem schlanken Seekajak liegt etwa ein Kilometer in der Stunde. Auf zwanzig Kilometern sind das rund vierzig Minuten, was spürbar ist, aber kein anderer Sport.
Warum längere Boote schneller sind
Ein Kajak, das durch Wasser fährt, erzeugt eine Welle. Am Bug schiebt es eine auf, am Heck läuft sie aus. Je schneller du paddelst, desto länger wird diese Welle, und irgendwann ist sie so lang wie das Boot selbst. Dann liegt das Kajak in seiner eigenen Bugwelle und kommt nicht mehr darüber hinaus, egal wie kräftig du ziehst.
Dieser Punkt heißt Rumpfgeschwindigkeit, und er hängt allein an der Länge der Wasserlinie. Für ein fünf Meter langes Kajak liegt er bei etwa zehn Kilometern in der Stunde. Ein drei Meter kurzes Boot erreicht seine Grenze schon bei rund acht.
Deshalb sind Seekajaks lang und Rennboote noch länger. Und deshalb bringt es bei einem kurzen, breiten Boot wenig, mehr Kraft zu geben: Die Grenze liegt tief, und darüber wird jeder Schlag teuer bezahlt. Mehr zu den Bauformen steht auf der Seite zum Kajak.
Eine Ausnahme gibt es. Wer auf einer Welle fährt, zum Beispiel im Surfski bei Wind von hinten, lässt sich von der Welle mitnehmen und bricht diese Grenze kurzzeitig. Das ist dann kein Paddeln mehr im eigentlichen Sinn, sondern Surfen.
Was dich wirklich aufhält
Wer auf einer Tour hinter dem Zeitplan liegt, hat selten zu langsam gepaddelt.
Gegenwind ist der härteste Gegner. Ein Kajak ist flach, aber dein Oberkörper nicht, und bei kräftigem Wind von vorn fällt das Tempo deutlich. Auf offenen Seen lohnt es, die Richtung nach dem Wind zu planen und nicht nach der Karte.
Strömung wirkt in beide Richtungen und voll. Zwei Kilometer Strömung in der Stunde bedeuten bei vier Kilometern Eigentempo entweder sechs oder zwei, und das ist der Unterschied zwischen einer schönen Tour und einem langen Tag. Welche Pegel gerade herrschen, zeigt unser Pegelstand-Checker.
Umtragestellen kosten je Wehr schnell zwanzig Minuten, mit Aussteigen, Ausladen, Tragen und Wiedereinladen. Drei Wehre auf einer Strecke sind eine Stunde.
Pausen sind der größte Posten und der schönste. Wer baden geht und Kaffee trinkt, paddelt an einem Tag keine dreißig Kilometer, und das ist in Ordnung.
Wie man eine Tour realistisch plant, steht im Beitrag So planst du deine Kanu-Tour richtig, und was mit aufs Wasser gehört, in der Packliste für die Kanutour.
Wie weit kommt man an einem Tag?
Die Rechnung ist einfacher, als sie klingt: Nimm fünf Kilometer in der Stunde als Grundlage, zähle die reine Paddelzeit, und ziehe für jede Stunde zehn bis fünfzehn Minuten für Pausen ab.
Damit landet man bei 15 bis 25 Kilometern für eine entspannte Tagestour mit Start am späten Morgen und Ziel am Nachmittag. Wer früh los will, durchpaddelt und das Boot kennt, schafft 30 bis 40. Alles darüber ist Training und keine Tour mehr.
Für den Anfang gilt eine einfache Regel: Plane die erste Tour kürzer, als du glaubst. Ein Nachmittag mit zwölf Kilometern und Zeit für eine Pause ist eine gute Erinnerung. Dreißig Kilometer am ersten Tag sind eine andere.
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Wie schnell fährt ein Kajak im Schnitt?
Wie viele Kilometer schafft man an einem Tag?
Warum sind längere Kajaks schneller?
Macht die Strömung viel aus?
Wie schnell ist ein Kajak im Rennsport?
Bringt ein besseres Paddel mehr Tempo?
Alle Antworten an einem Ort. Dieser Beitrag ist Teil unseres Paddel-Ratgeber. Dort liegen die Antworten nach Themen sortiert, von der Bootswahl über die Technik bis zur Pflege. Welche Bootsarten es gibt, steht auf den Seiten zum Wanderkajak und zu aufblasbare Kajaks.
