Oeltze und Kretschmer paddeln Weltrekord bei der EM in Belgrad

In der Serbischen Hauptstadt Belgrad haben sich am Wochenende auf dem Ada Ciganlija Regatta Course die schnellsten Kanu-Rennsportler des Kontinents getroffen, um die Kanu-Rennsport Europameister 2018 zu ermitteln. Klar, dass da auch die Auswahlmannschaft des Deutschen Kanu-Verbands ein kräftiges Wörtchen mitreden wollte.

Samstag, der 1.Finaltag bei der Kanu-Rennsport EM

Am ersten Finaltag gab es für die deutsche Flotte einen Weltrekord, zwei Goldmedaillen, dreimal Silber und einmal Bronze.

Yul Oeltze/ Peter Kretschmer werden Europameister in Weltbestzeit

Für das herausragende Ergebnis des ersten Finaltags sorgten der Magdeburger Yul Oeltze und Peter Kretschmer aus Leipzig. Im Canadier-Zweier 1.000m setzten Sie sich mit einem gut getimten Zielsprung („Schnapper“) um 44 Hundertstel Sekunden vor den Rumänen Carp/ Mihalachi durch. Das ganze geschah dann noch in Weltrekordzeit, die sie um ganze 2,5 Sekunden verbesserten. „Wir haben vorher bei dem Wind und dem Wasser hier ein bisschen geliebäugelt, dass es möglich wäre, aber dafür hätten wir auch gewinnen müssen. Das hat jetzt geklappt, darüber sind wir sehr froh. Europäische Bestzeit und Weltrekord gefahren zu sein, macht uns schon sehr glücklich.“ so der Magdeburger nach dem Rennen. Peter Kretschmer meinte: „Wir wollten den Titel unbedingt verteidigen und haben im Winter stark darauf hin trainiert. Wir haben beide nach einem guten Jahr auch schon mal ein nicht so gutes Jahr gehabt, daraus haben wir unsere Lehren gezogen“. Im Winter gut trainiert hat wohl auch Nina Krankemann.

Die Magdeburgerin Nina Krankemann wird Europameisterin im Kajak-Einer 1.000m

Stehvermögen bewies Nina Krankemann vom SC Magdeburg. Krankemann fuhr von Anfang an vorne mit und lieferte sich einen großartigen Fight mit Tamara Takacs aus Ungarn. Nach 1.000m hatte sie die berühmte Bootsspitze vorn und holte sich den Europameistertitel. Die Ungarin kam auf Platz 2. Bronze ging an die Schwedin Karin Johansson. „Schon gestern war es mit dem Erreichen beider Finals über 1000 und 500m ein guter Tag für mich, dieses Gefühl wollte ich mit in das Finale heute nehmen. Das hat funktioniert, ich war auch nicht so aufgeregt wie noch beim Weltcup in Duisburg. Unser Bundestrainer Kay Vesely hat mir noch Mut gemacht und gesagt, dass ich vorn mitfahren kann. Das ist voll aufgegangen und dass ich am Ende nun gar Gold gewonnen habe, ist umso schöner“. freute sich Krankemann nach der Siegerehrung.

Brendel scheitert am Dauerrivalen Martin Fuksa

Der amtierende Welt- und Europameister im Canadier-Einer über die 1.000m Sebastian Brendel vom KC Potsdam verpasste in einem spannenden Rennen das erhoffte EM-Gold nur knapp. Nach dem Motto „All or nothing“ versuchte Brendel mit einem riskanten Zielsprung seinem Dauerrivalen, den Tschechen Martin Fuksa, Gold noch abzujagen, fiel stattdessen jedoch nach dem Ziel mit einer knappen Zehntelsekunde hinter Fuksa ins Wasser. „Ich habe alles gegeben, mit dem Zielsprung wollte ich das Letzte nach vorn werfen, um Martin noch abzufangen. Nach den 3,5 Sekunden Rückstand beim Weltcup in Duisburg ist es für mich dennoch ein gutes Ergebnis, mit Silber kann ich gut leben“. so der Potsdamer Vorzeigesportler.

Tomicevic/Zoric mit Heimvorteil im K2 1.000m – Max Hoff und Marcus Groß holen Silber

Ihren Vorteil bei der Heim-EM spielten die neuen Europameister im K2 1.000m Tomicevic/Zoric gekonnt aus. Quasi wurden sie von ihren laut jubelnden Fans zum Sieg geschrien. Max Hoff und Marcus Groß, die nur knapp die Titelverteidigung verpasst haben, zeigen sich dennoch zufrieden mit der Silbermedaille. „Platz zwei ist ein super Ergebnis. Mit den Serben haben wir gerechnet“, resümierte Max Hoff und der Berliner Marcus Groß fügte hinzu: „Die haben aus Rio gelernt, im letzten Jahr an Qualität zugelegt und heute auch den besseren Tag erwischt. Aber wir sind nahe an ihnen dran, lieber jetzt Zweite als dann bei der WM“.

Kurz vor dem Ziel geschlagen – Sarah Brüßler und Melanie Gebhardt mit einem 2. Platz im K2 1.000m

Mit einem beherzten Start im Kajak-Zweier gingen Sarah Brüßler und Melanie Gebhardt in ihr 1.000m Rennen, führten lange Zeit bis kurz vor dem Ziel das Feld an und mussten sich dann doch vom Polnischen Duo Iskrzycka/Paszek geschlagen geben. „Man fährt ja zur EM um zu gewinnen, von daher ist im ersten Moment Gold verloren. Aber wir hatten am Ende einfach nichts mehr zum Gegenhalten, von daher freue ich mich auch über Silber“ meinte Brüßler zum Rennen.

Rendschmidt gewinnt erste EM-Medaille im Kajak Einer

Ähnlich sah es auch Max Rendschmidt, der im K1-Finale der Herren über 1000m hinter dem Titelverteidiger und Vizeweltmeister Fernando Pimenta aus Portugal und dem EM-Dritten des Vorjahres Balint Kopasz aus Ungarn Bronze holte und damit seine erste EM-Medaille im Einer gewann. „Dafür, dass ich letztes Jahr beim Weltcup noch im C-Finale gelandet bin, ist dies heute schon mal ein guter Anfang. Bis zur WM ist aber auf jeden Fall noch einiges zu tun“, so der Essener zu seiner Einer-Premiere bei einer internationalen Meisterschaft

Zweimal knapp Gold verpasst am 2. Finaltag

Am zweitem Finaltag bei der Kanu-Rennsport EM 2018 in Belgrad lagen für den Deutschen Kanu-Verband Freud und Leid eng beieinander. Über die 500m gab es zweimal Silber und einmal Bronze. Am späteren Nachmittag konnten auf der Langstrecke (5.000m) gleich zwei Titel aus 2017 verteidigt werden.

Erste Niederlage  für den Herren K4 500m

14 Tausendstelsekunden entschieden im ersten A-Finale des Tages über Gold und Silber – diesmal hatte der deutsche K4 mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke das Nachsehen. Gold holte sich der Herren-Vierer aus Spanien. „Es war an sich ein super Rennen. Wir wollten vom Start weg offensiv angehen und auf der Strecke mit hohem Tempo die Spanier in Schach halten. Am Ende hat dann noch etwas die Kraft gefehlt. Wenn wir in den nächsten Wochen an unserem Stehvermögen arbeiten, dann sollte Spanien bis zur WM machbar sein“, bilanzierte Schlagmann Max Rendschmidt ihr Finale.

Brendel auch über die 500m „nur“ Zweiter

Genau wie am Vortag entwickelte sich auch über die 500m im Canadier-Einer ein Zweikampf zwischen dem Tschechen Martin Fuksa und Sebastian Brendel. Brendel startete offensiv ins Rennen musste sich jedoch zum Ende geschlagen geben. „Dafür, dass es die 500m-Distanz ist, bin ich super zufrieden. Ich wollte diesmal etwas probieren und offensiv das Rennen angehen, allerdings war es sehr schmerzhaft auf den letzten Metern. Es ist gut, wenn man in der Taktik variabel und für die Gegner nicht so leicht auszurechnen ist“, so der Potsdamer zu seinen 500m.

Jasmin Fritz und Steffi Kriegerstein teilen sich Bronze mit den Belgierinnen im K2 500m

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten Jasmin Fritz und Steffi Kriegerstein nach dem K2-Finale über 500m. Niedergeschlagen saßen sie zunächst am Anlegesteg. Zu diesem Zeitpunkt wurden sie auf Rang vier hinter den Siegerinnen Hostens/Guyot aus Frankreich sowie Medveczky/Csipes aus Ungarn und Peters/Broekx aus Belgien geführt. Als das offizielle Ergebnis dann kundtat, dass Belgien und Deutschland zeitgleich Rang drei belegt hatten änderte sich alles. Die Niedergeschlagenheit wandelte sich im Nu in Freude über Bronze um: „Jetzt bin ich erstmal zufrieden. Der Start hat uns gerettet“, meinte Steffi Kriegerstein gelöst und auch bei Jasmin Fritz war der erste Ärger verraucht: „Ich hatte schon mit mir gehadert, dass es meine Schuld ist, weil ich nach unserem offensiven Rennbeginn am Ende etwas fest gegangen war. Es ist unser bislang bestes Rennen gewesen. Wir haben gesehen, dass wir vorn mitfahren können“, so die Magdeburgerin.

Hoff und Brendel verteidigen Langstreckentitel

Nach den 5.000m Entscheidungen hatte das Rennsport Team des Deutschen Kanu-Verbands nochmal Grund zur Freude. Unszwar gleich doppelt. Max Hoff im Kajak-Einer und Sebastian Brendel im Canadier-Einer bescherten auf der Langstrecke dem DKV-Team noch einmal doppelt goldenen Glanz. Max Hoff wiederholte seinen Sieg von der Europameisterschaft 2017 in Plovdiv wie im Vorjahr vor Fernando Pimenta und Eivind Vold aus Norwegen. Brendel gewann vor Kirill Shamshurin aus Russland und Carlo Tacchini aus Italien. Hoff und Brendel zählen damit zu den erfolgreichsten Athleten im DKV-Team bei dieser EM.

Das Fazit zur Kanu-Rennsport Europameisterschaft vom leitenden Bundestrainer Arndt Hanisch

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