So schlugen sich die Deutschen auf den olympischen Strecken beim Weltcup in Szeged

Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür. Auf ihrer verlängerten „Road to Tokyo“ hat die deutsche Kanu-Rennsport-Nationalmannschaft vergangene Woche einen Stopp beim Weltcup in Szeged gemacht und gleich am ersten Finaltag ordentlich abgeräumt. Der Weltcup war der erste internationale Wettkampf seit eineinhalb Jahren und diente als deutsche Qualifikation für die Olympia Tickets sowie als olympische Generalprobe für die deutschen Athleten und Trainer. Ein guter Grund mal zu gucken, wie sich das Kanu-Rennsport Team Deutschland auf den olympischen Strecken so geschlagen hat.

Herren K1 1.000 m

Mit seinem Sieg im K1 1.000 m-Finale der Herren bestätigte der Potsdamer Jacob Schopf alle Gerüchte, die seit einiger Zeit in der internationalen Kanu-Welt kursieren, dass er mit Abstand der schnellste Paddler im deutschen Team ist. Zumindest, was die 500 m und 1.000 m angeht. Am Samstag schlug er mit Balint Kopasz und Fernando Pimenta die Weltmeister von 2019 und 2018. „Es war fast ein perfektes Rennen für mich. Ich habe meine beste Leistung gezeigt, aber ich denke, es gibt auch Dinge, die ich besser machen kann. Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier gewinnen kann.“ so Schopf nach dem Rennen.

Der Potsdamer Jacob Schopf ist mit seinem Sieg endgültig in der Weltspitze angekommen. (Bild: Finn Eidam)

Herren K1 200 m

Der Goldmedaillengewinner von Rio 2016, der Brite Liam Heath, konnte seine Konkurrenten daran erinnern, dass er immer noch der Favorit für den K1 200 m in Tokio ist. Heath holte in einem Wimperschlag Finale Gold. Für das deutsche Team war der Berliner Kostja Stroinski am Start. Stroinski hat es nur ins B-Finale geschafft und wurde hier Fünfter. Der Berliner ist allerdings nicht der schnellste 200 m Fahrer im deutschen Team. Wir haben ja noch den Potsdamer Ronald Rauhe. Bei den Olympischen Spielen in Rio hatte Rauhe auf dieser Strecke Bronze geholt. Aktuell konzentriert sich Ronald Rauhe allerdings zu 100 % auf den K4 500 m.

Herren K2 1.000 m

Das wohl spannendste Rennen und den emotionalsten Sieg des Tages gab es im K2 1.000 m der Herren, wo Max Hoff und Jacob Schopf gegen ihre Teamkollegen Jakob Kurschat und Jakob Thordsen um das Recht kämpften, Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio zu vertreten. Nachdem die „Young Guns“ ihr Herz in die Hand nahmen und die meiste Zeit des Rennens in Führung lagen, übernahmen Hoff und Schopf auf den letzten 100 Metern die Spitze. Der 38-jährige Essener sagte, dass der Sieg eine enorme Erleichterung war, nach einem Jahr, in dem er die Leute sagen hörte, dass er zu alt sei, um zu einer weiteren Olympiade zu gehen. „Ich kann nicht beschreiben, wie ich mich fühle, ich hatte so viel Druck in diesem Jahr“, sagte Hoff. „Ich bin nicht so gut in die Saison gestartet. Es war ein so hartes Rennen, ich bin so froh, dass ich es nach Tokio geschafft habe. Innerlich war es wirklich eine Herausforderung für mich, ich bin so glücklich, dass ich mit meiner Freundin, die sich im Rudern qualifiziert hat, mitfahren kann. Ich bin so dankbar für jeden, der mir geholfen hat.“ so der Essener weiter.

Herren K4 500 m

Der Kampf zwischen Spanien und Deutschland im K4 500 m der Herren ist seit der WM 2017 intensiv, und am Sonntag war es die spanische Crew mit Saul Craviotto, Marcus Walz, Carlos Arevalo und Rodrigo Germade, die den Sieg errang. Der deutsche Herren K4 in der Besetzung Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke kam auf Platz 2. „Das Rennen haben wir uns sicherlich vielleicht ein bisschen anders vorgestellt, aber nichtsdestotrotz war es das wichtigste hier die Quali für Tokio zu schaffen.“ so Tom Liebscher „Ich denke, da finden wir noch Stellschrauben, an denen wir drehen können und haben auch noch genug Zeit.“ so Liebscher weiter. Das sehen wir auch so! Das zweite deutsche Boot mit Tobias-Pascal Schultz, Maximilian Zaremba, Martin Hiller und Kostja Stroinski kam auf Platz 7.

Diesmal jubelt die spanische Crew im Herren K4 übder die 500 m Distanz. (Bild: Finn Eidam)

Herren C1 1.000 m

Sebastian Brendel dominiert seit einem Jahrzehnt den C1 1.000 m der Herren, aber am Samstag war es sein Teamkollege Conrad-Robin Scheibner, der die Ehre hatte. Brendel fuhr in Szeged „nur“ den C2 über 1.000 m. Scheibner machte alles richtig und holte auf Bahn 1 Gold. „Ich hoffe, dass dieses Ergebnis mein Können beweist und freue mich auf das, was in dieser Saison noch kommt. Nach zwei Jahren fast ohne internationalen Wettkampf war es schwer zu wissen, wo ich stehe.“ Mit der Siegleistung sollte sich Scheibner sein Olympia Ticket gesichert haben.

Herren C2 1.000 m

Sebastian Brendel hatte 2019 eine schwierige Saison. Bei der WM 2019 wurde der Potsdamer im C1 über 1.000 m nur vierter. Keine WM-Medaille war man von Brendel nicht gewohnt und einige hatten ihn schon abgeschrieben. Aber der 33-Jährige gewann am Wochenende zusammen mit Tim Hecker, in ihrem ersten internationalen Rennen, das C2 1.000 m-Finale und damit auch die Olympia Quali. „Ich hatte ein hartes 2019, jetzt bin ich zurück mit einem neuen C2-Partner, einem neuen Trainer, und all die harte Arbeit hat sich ausgezahlt“, sagte Brendel. „Es liegen noch einige harte Wochen vor uns. Ich bin froh, dass ich bereits zwei normale Olympische Spiele mitgemacht habe, aber für uns Sportler ist es sehr wichtig, dass diese Spiele stattfinden. Wir hatten ein zusätzliches Jahr, und das hat sich für uns gelohnt.“

Tim Hecker und Sebastian Brendel werden in Tokio um die Medaillenplätze kämpfen. (Bild: Finn Eidam)

Damen K1 200 m

Durch das Fehlen der Neuseeländerin Lisa Carrington und der Ungarin Danuta Kozak war das Rennen um die K1 200 m der Damen völlig offen. Die Dänin Emma Aastrand Jorgensen ergriff die Chance mit beiden Händen und holte Gold. „Das Wichtigste war zu sehen, wo ich stehe und wo die anderen Mädchen sind, die nach Tokio fahren“, sagte Jorgensen. Für das deutsche Team war in Szeged Caroline Arft aus Essen angetreten. Sie fuhr im C-Finale auf Platz 3. Wer in Tokio für die deutschen Damen an den Start geht, vermögen wir nicht zu sagen. Aktuell ist Sabrina Hering-Pradler die schnellste bei den Frauen. Sabrina sitzt aber schon im K2 und K4 500 m. Und um ehrlich zu sein: Es wird verdammt schwer eine Lisa Carrington zu schlagen, selbst wenn Sie einen schlechten Tag erwischt.

Damen K1 500 m

Für die Damen im K1 über die 500 m Distanz ging Sarah Brüssler auf Medaillenjagd. Sie qualifizierte sich im Halbfinale lediglich für den B-Endlauf und belegte hier den vierten Platz. Gewonnen hat Milica Novakovic aus Serbien. Mit dem Finaleinzug hatte sich die Serbin bereits für Tokio qualifiziert und konnte im Endlauf mit freiem Kopf an den Start gehen. „Das ist es, wofür wir leben, ich fühlte keinen Druck, denn als ich ins Finale kam, wusste ich, dass ich für Serbien nach Tokio fahren würde“, sagte Novakovic nach ihrem Sieg. „Vor dem Rennen habe ich mir gesagt, dass dies nur ein Training für Tokio ist, und dass ich mein Bestes geben und es genießen soll. Ich hoffe natürlich, dass ich bei den Olympischen Spielen um die Medaillen mitkämpfen werde.“

Damen K2 500 m

Die dritte deutsche Goldmedaille gab es im K2 500 m der Damen. Sabrina Hering-Pradler und Tina Dietze setzten in ihrem ersten gemeinsamen Rennen ein klares Statement an die Bundestrainer. Ihre Teamkolleginnen Sarah Brüssler und Melanie Gebhardt sicherten sich am Donnerstag die Olympia-Quote im K2 500 m. „Sabrina ist die beste Paddlerin in unserem Team, deshalb bin ich sehr froh, mit ihr ein Rennen zu fahren. Aber wir brauchen mehr Rennen. Ich denke, es war gut, zu gewinnen, denn wir hoffen, dass wir im K2 zu den Olympischen Spielen fahren werden. Wir warten darauf, was die Trainer uns sagen.“, sagte Dietze.

Damen K4 500 m

Die Besetzung des deutschen Frauen K4 500 m für Tokio steht noch nicht fest, aber die Crew mit Sabrina Hering-Pradler, Melanie Gebhardt, Jule Hake und Tina Dietze hat sich am Sonntag mit einer soliden Leistung in Szeged beworben. Das neu besetzte Boot sicherte sich mit einem Vorsprung von 1.62 Sekunden vor Weißrussland Gold. „Für das erste Mal in dieser Konstellation war das ein guter Einstand und eine gute Grundlage zum weiter ausbauen.“, so Tina Dietze. „Wir hatten einen richtig guten und langen Schlag. Ich hatte das Gefühl, dass sich alle perfekt eingebracht haben und wir das Boot mit jedem Schlag optimal vorantreiben konnten.“ fügt Melanie Gebhardt hinzu.

Das neu besetzte Damenquartett freut sich über Weltcup-Gold. (Bild: Finn Eidam)

Damen C1 200 m

Die Amerikanerin Nevin Harrison wird in zwei Wochen 19 Jahre alt und hat im C1 200 m der Frauen gezeigt, dass sie während der Pandemie nicht an Geschwindigkeit verloren hat. Harrison ist die amtierende Weltmeisterin und wird in Tokio versuchen, die erste Olympiasiegerin in der neuen Disziplin zu werden. „Es war sicher eine Reise, ich bin aufgeregt zu sehen, was ich in etwa zweieinhalb Monaten tun kann“, sagte Harrison. Für die deutsche Mannschaft war die Berlinerin Lisa Jahn am Start. Sie wurde im Finale fünfte mit nur 1.44 Sekunden hinter Harrison. Wir sagen da geht noch was ;-)!!!

Damen C2 500 m

Im Damen C2 über die 500 m Strecke griffen mit Lisa Jahn/Sophie Koch und Ophelia Preller/Annika Loske gleich zwei deutsche Boote ins Wettkampfgeschehen mit ein, wobei sich nur der Canadier-Zweier Jahn/Koch für das Finale qualifizierte. Im Finale legten die beiden einen großartigen Start hin und führten das Feld die ersten 200 m an. Hinten raus wurden die Arme schwer. Es reichte aber noch für einen großartigen 3. Platz. Und an der Standfestigkeit kann man ja noch arbeiten. „Wir haben wahrscheinlich am Start ein bisschen mehr investiert als alle anderen, aber ich sag mal gerade im Endspurt ist es ein reines Stehvermögen. Daran kann man glaube ich besser arbeiten, als schnell rauszufahren. Von daher sehen wir das als Vorteil.“ so Lisa Jahn nach dem Rennen. Die Ukrainerinnen Luzan und Chetverikova bestätigten mit einer beeindruckenden Leistung ihre Medaillenchancen im C2 500 m der Damen und holten Gold.

Platz 3 für Sophie Koch und Lisa Jahn. Am Endspurt werden sie noch arbeiten. (Bild: Finn Eidam)

„Wider erwartend richtig gut. Damit hätten wir in der Form nicht gerechnet. Wir wussten vorher nicht wo wir stehen. Das freut uns natürlich sehr, vor allem weil wir ganz viele olympische Strecken mit Siegleistungen abschließen konnten. Ich glaube, wir können ganz beruhigt den Blick Richtung Tokio richten.“ fasst der leitende Bundestrainer Arndt Hanisch den Weltcup in Szeged zusammen. Weiter geht es für das Kanu-Rennsport Team Deutschland mit einem Lehrgang bei dem sich die Athleten auf die Europameisterschaften in Poznan bzw. für Die Finals 2021 vorbereiten.

Hannes Wagner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.